• Ich habe Staffel 9 jetzt mit einer eher ungewöhnlichen Folge begonnen. Der Eintrag aus dem Blog daher auch hier:


    Hier ist nun also die Season Premiere von Staffel 9. Ich habe jetzt eine geradlinige und bodenständige Story gewählt, die die Handlungsfäden vom Ende von S8 nur am Rande aufgreift. Im Grunde wäre es aber eine Folge, die auch jemand ansehen könnte, der mit der Serie nicht vertraut ist. Sicherlich keine epische Episode, bei der man schon beim Schreiben eine Gänsehaut hat ;-).


    Als direkte Parodie zielt es in Richtung Sportfilme und 80er BMX-Filme ab, satirisch kommen aber auch einige andere Elemente und Charakterbezüge vor. Ich weiß nicht, ob es qualitativ wirklich als Premiere der neuen Staffel geeignet ist, aber vielleicht ist ein solch lockerer Einstieg ja eine nette Idee - zumal die Staffel später noch deutlich ernster und "esoterischer" werden soll.


    161. Rick & Mike & das Superbike


    Die Folge beginnt mit Mike, der Rick in einer großen Tüte den Einkauf bringt und dessen leeren Kühlschrank auffüllt. In Ricks Haus herrscht ein ziemlich verwahrlostes Chaos und Rick selbst läßt sich seit einigen Wochen arg ungepflegt hängen. Mike macht sich Sorgen, bekommt aber dafür nur eine Bierdose nachgeworfen. Auch sein Versuch, Rick mit zwei Postkarten aufzumuntern, schlagen fehl. Eine der Karten stammt von Klaus und kommt aus London, die andere Postkarte (die bereits drei Wochen unterwegs war) stammt von Alex und kommt aus Bukarest. Der Satz darauf ist arg kryptisch, aber Mike meint, daß sie wohl recht gut allein zurecht kommt. Was Rick ebenfalls nicht aufmuntert und nur zu dem mißmutigen Kommentar "Weiber..." verleitet.


    Mike schleift Rick aus dem ganzen Unrat im Haus nach draußen und bietet ihm an, daß sie zusammen zum Haus von Klaus gehen. Dieser hatte Mike vor seiner Abreise noch den Schlüssel zum Blumengießen gegeben. Die Aussicht, ungestört in all den kuriosen Sammlungen und Museumsstücken von Klaus zu wühlen, mobilisiert bei Rick zumindest ein klein wenig Interesse - unterstützt von einer obskuren Fantasie, was sich hinter manch verschlossener Tür verbergen könnte. Bevor die beiden aufbrechen, wird Mike aber noch Zeuge, wie sich Rick einen (nun täglichen) Kleinkrieg mit seinem Postboten liefert, der sich über den überquellenden Briefkasten beschwert hatte. Das bringt Mike noch mehr zu der Überzeugung, daß Rick dringend an die frische Luft sollte.


    Daheim bei Klaus stellt sich die "Entdeckungsreise" in bester Indiana-Jones-Manier am Ende als wenig ergiebig heraus und Rick möchte gelangweilt wieder nach Hause gehen. Er findet jedoch einen dicken Aktenordner, in dem Klaus säuberlich etliche Seiten mit Preisausschreiben und Gewinnspielen aus den 70er und 80er Jahren gesammelt hat. Rick hat wegen seines Streits mit dem Postboten die seltsame Idee, all diese Gewinnspiele noch zu lösen und sie dann mit den uralten Adressen und Einsendeschlüssen per Post zu versenden. Das würde die Deutsche Post ganz schön durcheinander bringen und vielleicht sogar den gesamten "gelben Unterdrückungsapparat" zum Einsturz bringen (Muahahaha). Mike ist froh über jede Aktivität, die Rick aus seiner Lethargie holt, also setzen sich beide an die alten Preisausschreiben und versenden diese.


    Eines der Preisauschreiben stammt aus dem Jahr 1983 und verkündet im Namen einer Fahrradfabrik aus der nahen Großstadt die Ankunft des neuen "Superbikes" aus den USA - BMX. Eine Karikatur zeigt Ronald Reagan als BMX-Champion. Beim Freirubbeln des Gewinnspiels hat Rick tatsächlich die gewinnverheißenden drei goldenen Fahradlenker, aber er steckt die Karte einfach achselzuckend in den Umschlag. Einige Tage später löst die Ankunft der Gewinnerkarte in der aktuellen Chefetage der Fahrradfabrik zuerst amüsiertes Gelächter aus. Als jedoch der Anwalt darauf hinweist, daß damals leider vergessen wurde, einen Einsendeschluß zu vermerken, und der Gewinner theoretisch noch immer das Anrecht auf das versprochene "Superbike" hat, kehrt Ernüchterung ein. Die Marketing-Abteilung hat jedoch eine Idee - warum diesen "Gewinn aus der Mottenkiste" nicht für Werbung verwenden? Der Gewinner soll einen kleinen Hindernis-Parcour mit einem BMX-Rad durchfahren, das Fernsehen überträgt, die Retro-Fuzzies sind begeistert und die neuen Produkte der (arg schlecht laufenden) Fabrik sind in aller Munde und lassen sich verkaufen.


    So finden sich die späten Gewinner Rick und Mike schnell bei einer Pressekonferenz und bei einer anschließenden Führung durch die Fabrik wieder, in der nun aktuelle "Lifestyle-Bikes" hergestellt werden. Das neueste Fahrrad (das niemand kaufen möchte) ist daher bestückt mit allerlei Kram und Unfug, wie z.B. acht Festplatten für MP3s an den seltsamsten Stellen - inklusive einer als Luftpumpe getarnten Festplatte, die als Luftpumpe natürlich nicht funktioniert. Damit das völlig überladene Rad in Kurven nicht umfällt, ist außerdem ein elektronisches Balanciersystem eingebaut. All der Kram zieht soviel Strom ab, daß die Beleuchtung nur trübe flackert. Mikes kritische Frage, ob man nicht Räder bauen sollte, mit denen man einfach von A nach B kommt, wird von den umstehenden Presseleuten nickend kommentiert. Mike wird vom Sicherheitsdienst hastig zur Tür herauskomplimentiert.


    Auch Ricks erste Fahrversuche mit einem BMX auf einer ziemlich simplen Strecke stellen sich arg mißlungen dar, zumal es Rick auffallend an Kondition mangelt. Er bekommt eine Ladung Pillen und Pülverchen zum Aufbau überreicht. Seine skeptische Fragen, was der Haufen Pillen denn mit Radsport zu tun hat, wird mit allgemeinem Gelächter beantwortet. Die Chefetage ist in jedem Fall nicht begeistert von dem, was sie sehen. Das Marketing hat eine neue Idee: was ist als Werbung noch besser, als den BMX-Gewinner siegen zu sehen? Ganz einfach: den BMX-Gewinner verlieren zu sehen. Auf die Weise erkennt jeder, warum man nicht mit alten Rädern fahren sollte. Und Rick, der auf die Schnauze fällt, wäre ein perfektes Kaufargument für das elektronische Balanciersystem im neuen Produkt. Die Ideen schaukeln sich weiter auf und am Ende wird entschieden, daß Rick vor den Kameras einer Retro-Show im Privatfernsehen auf einem gefährlichen Experten-Parcour gegen einen Champion im Zeitrennen antreten soll.


    Rick hat sich inzwischen entschlossen, die Sache ernsthaft anzupacken und es allen Zweiflern zu zeigen. Er spült die Pillen "zum allgemeinen Wohl" in der Toilette runter (mit negativen Folgen für Flora und Fauna im Fluß) und macht sich dann musikalisch in einer Rocky-artigen und Sportfilm-Klischees zitierenden Szenenmontage an das Training. Tatsächlich wird er nach Rückschlägen auch immer besser und sicherer mit dem Rad und ist als Könner schnell Stadtgespräch. Was den Leuten aus der Chefetage nicht gefällt, da die ganze Kampagne bereits mit Rick als Verlierer am Anlaufen ist. Als Gegenspieler von Rick beim Rennen konnte man den BMX-Vize-Champion 1984 verpflichten. Dieser hat leider etwas an Gewicht zugelegt, versichert aber arrogant, daß er weiterhin jeden besiegt und nur den Champion 1984 zu fürchten hätte.


    Als der große Tag des Rennens gekommen ist und die Fernsehleute vor Ort sind (wir sehen einige seltsame Szenen aus einer Kauf-mich-80er-Jahre-Merchandise-Show) entdeckt Rick, daß der Parcour vollkommen umgebaut wurde und es jetzt etliche Hindernisse gibt, die eine ernsthafte Gefahr darstellen - inklusive solcher Nettigkeiten wie dem "Megasprung" über einen Teich voll mit undichten Giftmüllfässern. Mike rät Rick zum Rückzug, aber dieser möchte es sich nun selbst und allen anderen beweisen. Der dicke Vize-Champion ist erstaunlich sicher auf dem BMX und Rick hat Probleme. So schrammt er einige Male nur knapp an einem Sturz vorbei und hat mit Sabotage an Rad und Kurs zu kämpfen. Am Ende läuft es auf das letzte Rennen hinaus und Rick ist durch den zeitlichen Rückstand entmutigt. Mike drängt ihn aus Sorge zum Aufgeben. Gerade als Rick die Jury darauf ansprechen möchte, tauchen Klaus und Randolf auf. Beide tragen bunte Matrosenanzüge. Als der Vize-Champion in Klaus den BMX-Champion von 1984 erkennt, bringt ihn das so aus dem Tritt, daß er das erste Hindernis gleich versemmelt und in einer Dornenhecke landet.


    Rick hätte theoretisch bereits gewonnen, aber er fährt dennoch den ganzen Parcour und meistert jedes Hindernis. Die Chefetage der Fahrradfabrik weist jede Anschuldigung zurück, aber als Mike einen ganzen Lastwagen präsentiert, der voll mit T-Shirts ist, die Rick als Verlierer "vermarkten", geben die Chefs klein bei. Wenn davon nichts an die Öffentlichkeit dringt, bekommt die Stadt eine hochwertige BMX-Rennstrecke von der Fabrik bezahlt. Rick willigt ein. Als er Klaus und Randolf fragt, wo die beiden herkommen und warum sie solch seltsame Klamotten anhaben, meint Klaus nur, daß das eine andere Geschichte ist, die er gerne ein andermal erzählen wird. Rick hat sich entschlossen, endlich bei sich zuhause aufzuräumen, weil ihm Alex sonst sicherlich in den Hintern treten wird, sobald sie zurück ist.


    Klaus meint achselzuckend, daß es in jedem Fall gut sei, daß die Kinder der Stadt nun endlich einen ordentlichen BMX-Parcour bekommen. Wir sehen den neuen Parcour einige Wochen später mit großem Einladungsschild - aber völlig leer stehend. Drei Kinder kommen auf ihren Segways auf einem geteerten Spazierweg vorbei und halten kurz an. Sie betrachten das BMX-Schild achselzuckend und fahren dann mit ruckelndem Summen weiter.


    => Sportfilm-Parodie, Mediensatire


    Was meinen die Leser? Ist es in Ordnung, die Staffel mit einer solchen Folge zu beginnen oder sind es Vorzeichen einer neuen Staffel, die den sitcomigen Niedergang der Serie erleben wird?

  • Also ich habe meine Meinung schon im Blog kundgetan. Hoffe es kommen noch mehr interessierte Leser hinzu. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. :D

    An alle, die meinen, dass sie "wegen der Flüchtlinge" keine Arbeit, zu wenig Rente oder was auch immer haben: Ihr seid wie Homer!! und nicht nur deshalb ist diese Folge leider aktueller denn je!!

  • Naja, mit steigender Textmenge pro Folge wird meine Hoffnung eigentlich eher geringer, noch viel Feedback zu finden. Aber was will man machen.


    Die beiden neuen Folgen jetzt direkt hier einstellen würde wahrscheinlich die zulässige Zeichenzahl des Forums übersteigen, daher stelle ich jetzt einfach den Einleitungstext zu Folge 163 aus dem Blog rein und dann den Link zu Staffel 9 auf der Webseite:


    Hier ist noch Folge 163. Und die könnte man mal wieder als eine Art Schlüsselerlebnis betrachten, denn wie so ziemlich in jeder aktuellen Staffel habe ich ja auch in Staffel 9 Zweifel, ob sich das weitermachen noch lohnt oder ob es kreativ nach sovielen Ideen so langsam dem Ende zugeht. Wenn Staffeln nur noch aus Comedy und Füller bestehen, sollte das Ende erreicht sein, ich will ja nicht auf Groening machen.


    Diese Befürchtungen hatte ich schon während Staffel 8 und trotz aller Zweifel hat sie IMO nach diversen Hängern doch noch Perlen gebracht wie "Flub und Mona", "Time in A Bottle", "The Dark Bag" oder das Finale "Die Lichterstadt". Für Staffel 9 waren meine Hoffnungen aber wieder geschwunden und so würde ich die ersten beiden Folgen nicht unbedingt als Highlights meines Schaffens betrachten. Nun kommt aber mit Folge 163 eine Story, die essentielle Aspekte dessen vertritt, um was es in der Serie eigentlich geht. Irgendwie weckt das doch wieder Hoffnungen, auch wenn die Folge selbst ungemein düster wirkt (wenn auch eher auf subtilem Level).


    Sie ist nun in der Zusammenfassung sicher nicht perfekt, das kammerspielartige Szenario wirkt wohl bisweilen etwas träge (eventuell doch öfter mit Rick und Mike zwischenschneiden?). Aber irgendwie ist es eine Folge, die einfach einen "Wow"-Effekt hat, zumindest bei mir. Ob es anderen Lesen auch so ergeht, kann ich aber natürlich nicht beurteilen. Es sind viele kleine Nuancen drin, die ja eventuell außerhalb meiner Vorstellung gar nicht funktionieren oder erfasst werden.


    Wie auch immer, hier ist der Link zur bisherigen Staffel 9. Jetzt gibt es aber erstmal wieder Pause.


    http://www.bruchbach.de/index.php?con=staffel9


    Kommentare sind jederzeit willkommen.


    Chris

  • Ein Beitrag aus meinem Blog zu Staffel 9 und dem neuen Comic:


    Im Moment ist es wieder ruhiger im Blog, was aber nicht bedeutet, daß ich im Hintergrund nicht an verschiedenen Dingen arbeite bzw. überlege. Ich entschuldige mich dennoch bei allen Lesern, die auf inhaltlichen Nachschub warten. Es macht auch mir wenig Freude, die Charaktere untätig herumstehen zu sehen. Noch weniger Freude würde es mir aber machen, nun Stories hinzuschludern, um die Staffel irgendwie zu füllen.


    Leider gab es zur Folge 163 (die mir irgendwie als essentielle Folge zum Geist der Serie oder auch als Schlüsselfolge der Staffel erschien) keinerlei Kommentare, auch nicht per Mail. Das macht es vielleicht noch schwieriger, nun den richtigen Weg für die Zukunft der Handlung zu finden. Außerdem habe ich gerade wieder eine jener Phasen, in der mir keine Storyidee gut genug erscheint. Ich bin dennoch an drei oder vier Plotlinien dran - mal sehen, was daraus wird.


    Der neue Comic ist leider noch nicht aus der Druckerei zurück, es sollte aber in jedem Fall noch vor Weihnachten klappen. Eine kleine Korrektur übrigens noch zum Webshop: die dort angegebene Zahl von 54 Seiten ist nicht korrekt, es sollten insgesamt 58 Seiten sein. Ist doch gleich wieder etwas mehr Gegenwert für die 6 Euro. Die Vorbestellungen sind gut angelaufen, aber da geht sicher noch mehr.


    Betrachten wir die momentane Ruhe einfach als vorweihnachtliche Besinnlichkeit. Sollte es dieses Jahr mit Staffel 9 nicht mehr weitergehen, dann aber definitiv im Januar.

  • Um weiter den Alleinunterhalter zu machen, hier die neueste Staffel-9-Folge aus dem Blog:


    Okely-Dokely, ich habe jetzt mal "The Quarkmaker" als Folge geschrieben. 100% zufrieden bin ich wie üblich nicht, vor allem sollte die Folge auch nicht direkt nach "Megiddo" kommen. Da werde ich bei Gelegenheit noch etwas zwischenschieben.


    164. The Quarkmaker


    Die Folge beginnt mit Alex, die hustend mit einer schweren Grippe im Bett liegt. Martin meint besorgt, daß sie sich in den letzten Wochen einfach zuviel zugemutet hat und sich jetzt erholen muß. Alex ist unruhig und erklärt, daß es jetzt zuviel zu tun gäbe und sie nicht untätig herumliegen kann. "Die Zeit..." wäre ein kritischer Faktor. Da Martin nur wenig Vertrauen in die Pharmazie hat, greift er lieber zu einem altbewährten selbstgebrauten Hustensaft nach Dahlschem Familienrezept bzw. zu einer alten Flasche, in der sicher noch ein brauchbarer Rest davon sein dürfte. Alex verzerrt das Gesicht und meint, daß sie eine solche Bitterkeit lange nicht mehr geschmeckt hat, aber Martin entgegnet, daß es dann sicher helfen wird.


    Er schließt die Tür sanft von außen und stellt die Flasche mit dem Hustensaft zurück in ein Bücherregal - kurioserweise neben eine Ausgabe von Aldous Huxleys "Die Pforten der Wahrnehmung". Zurück im Zimmer dämmert Alex mit trägen Augenlidern langsam in einen Halbschlaf hinüber und seltsame Dinge scheinen sich im Zimmer abzuspielen. Ein Marienkäfer steht in extremer Zeitlupe still in der Luft. Wir hören eine Stimme, die zu sich selbst meint, was für ein seltsames Universum hier wäre. Während die Stimme eine Zwiesprache mit einem imaginären Gegenüber hält, entsteht die Erkenntnis, daß eventuell der "Quarkmaker" - der Schöpfer der kleinsten Dinge - die Antwort wüsste. Und eigentlich müsste der hier irgendwo im Raum auch zu finden sein. Alex beschließt, sich auf die Suche zu begeben. Schließlich kenne sie ihr eigenes Zimmer - wie schwierig kann die Suche dann sein?


    Als erstes folgt die Kamera wieder dem fliegenden Marienkäfer. Als er auf den zottigen Haaren des Flokati-Bettvorlegers landet, wechselt die Animation hin zu klassischer Stop Motion. Wir hören die Stimme von Alex quasi als Erzähler, während der Käfer mit lautem Rumoren durch den dichten "Dschungel" im Teppich stampft. Alex bemerkt außerdem, daß sich das Insekt krabbelnd auf verschiedene Gefahren im Zimmer zubewegt - z.B. ein klebriges Glas Orangensaft, eine fleischfressende Pflanze im Regal, ein Streifen Fliegenpapier unter dem Schrank etc etc. Das beste Ziel wäre eine Pflanze mit Blattläusen, die am entfernten Rand des Schreibtisches steht. Aber wie soll sie den ziellosen Käfer dorthin bugsieren, wenn sie nur reiner Beobachter der Szene ist?


    Alex will bereits entmutigt aufgeben, nachdem der Käfer an einem der "Baumstämme" des Teppichs umgefallen ist, aber durch Zufall bemerkt sie, daß sie als beobachtendes Bewußtsein scheinbar die Fähigkeit hat, willentlich die Schwerkraft auf Ebene der Käfergröße nach oben oder nach unten zu verändern. Was als Eigenschaft im Makrokosmos nicht auffallen würde, wird plötzlich zu einer Möglichkeit, das Insekt auf den richtigen Weg zu bringen. Nach einigen kleinen Abenteuern mit einer Stubenfliege, einer wackligen Brücke aus Staubflocken und einer Glasmurmel erreicht der Käfer mit Alex´ physikalischer Mithilfe schließlich doch noch die glatte Oberfläche des Schreibtisches - und bleibt hier kurz vor dem Ziel mit einem Bein in einer Holzspalte stecken. Alex versetzt einem halbvollen Wasserglas einen mentalen Tritt und dieses schwingt auf kleinster Ebene mit. Zuerst passiert gar nichts, aber dann löst sich ein Tropfen am Glasrand und "spült" den Käfer frei. Dieser fliegt auf und landet direkt auf der Pflanze.


    Glitzernd fliegen kleinste Wassertröpfchen durch die Luft. Die Szenerie läuft ein Stückchen rückwärts und wir folgen dem Tropfen wieder zurück zum Ursprung - dem halbvollen Glas. Der Blickwinkel zoomt in das Wasser des Glases und wir sehen ein digital animiertes 3D-CGI-Segment aus dem Leben der kleinen, transparenten Einzeller dort. Alles scheint in dieser Zivilisation seinen geregelten Gang zu gehen, wobei sich gerade ein kleiner Einzeller vom Rest des Schwarms absondert und an den geradlinigen Rand seiner Welt schwimmt - wo eine Barriere jedoch ein Weiterkommen verhindert. Hinter dieser Barriere schimmert verzerrt ein wunderschönes Objekt - eine Art von diffuser Wolke aus unzähligen farbigen Lichtern und bunten "Nebeln" dazwischen.


    Der Einzeller wundert sich laut darüber, was es ist und ob dieses Wunder schon immer dort war oder erschaffen wurde. Ein alter Einsiedler-Einzeller kommt hinzu (inklusive langem Bart) und erklärt weise, daß das Wunder schon immer dort war - also sein ganzes Leben lang und das Leben seiner Vorväter. Und wenn etwas so unverrückbar und zeitlos ist, dann ist es sicher ein Werk jenseits der Welt und somit der Götter. Er erzählt dem Jungen eine komplexe (und illustrierte Geschichte) über die Natur und das Räderwerk der großen Barriere und der Sphären jenseits davon. So ist das Gebilde aus Licht und Farben in der Ferne das Resultat einer großen Schlacht am Anfang der Welt, als der erste geschaffene Einzeller gegen seinen Gegenspieler, den Schattenzeller, antreten musste - und das Universum dabei in dieser Barriere eingeschlossen und mit Wasser gefüllt wurde. Alle Lichter und Farben, die man außerhalb sieht, müssen daher Reflektionen dieser Schöpfung und unverrückbare Wahrheiten sein.


    Nachdem er seine Geschichte erzählt hat, drängt er den Jungen jedoch dazu, mit zurück zum Schwarm zu kommen. Dieser hat auf der anderen Seite des Universums ein noch helleres Licht gesehen, auf daß nun alle zuschwimmen werden. Der Junge kann sich nur schwer vom Anblick trennen, aber der Alte entgegnet, daß sie vielleicht zurückkehren werden - auch wenn sich das Wasser im Universum als unendlich herausstellen sollte. Traurig trennt sich der Junge von seinem Wunder. Die Kamera zoomt wieder heraus durch die Barriere des gekrümmten und verzerrenden Glases und wir sehen, daß die Wolke aus Lichtern und Farben eigentlich nur ein kleines und arg ramponiertes Weihnachtsbäumchen ist, daß am anderen Ende des Schreibtisches steht.


    Die Kamera fährt auf die Lämpchen am Plastikbaum zu und endet im Inneren eines der Glühwendeln in der subatomaren Welt der Elekronen. Der Zeichenstil wechselt zu einem expressionistischen 2D-Stil mit Schraffuren und starken Kontrasten. Wir sehen drei Elektronen (die charakterlich sehr stark an Alex, Rick und Mike erinnern) die vor einem dunklen Gerichtstribunal stehen, weil sie die ketzerische Behauptung aufgestellt haben, daß man seine Bahn im Leben verlassen könnte und ein Teil seiner Selbst dann zu Licht wird. Ein agressiver Ankläger bzw. Großinquisitor versucht alles, um mit der Akzeptanz dieser Behauptung das Ende der Zivilisation in Zusammenhang zu bringen - verzettelt sich aber selbst in Widersprüche. Als sie am Ende des Prozesses dennoch der Ketzerei schuldig gesprochen werden sollen, wechselt das ganze Gericht die "Bahn" und alle werden zu Licht, auch der Ankläger.


    Als das helle Licht wieder schwächer wird, sind wir zurück in normaler Animation und sehen Alex, die halb durchscheinend auf einer weiten und leeren Ebene steht. Eine staubige Visitenkarte liegt auf dem Boden, laut der hier der Quarkmaker (Hobbies: Sterne) leben soll. Alex läuft über die Ebene und findet niemanden. Zurück am Ausgangspunkt steht ein wunderschönes und kompliziert verpacktes Geschenkpaket mit bunter Schleife. Als Alex das Paket zögernd aufreißt und hineinblickt, ist es leer.


    Die Szene wechselt zurück in die Realität zu Alex, die im Bett aufwacht. Sie betrachtet für eine Weile die Decke mit dem Muster aus Rissen. Dann steht sie auf und zieht einen Morgenmantel an. Husten und Fieber sind verschwunden. Alex wirft einen kurzen Blick auf die Pflanze am Schreibtisch, aber dort ist kein Marienkäfer zu sehen. Sie geht nach unten und erklärt dem erleichterten Martin, daß es ihr schon besser geht. Martin führt dies allein auf den guten alten Familienhustensaft zurück. Alex kocht sich einen Kräutertee in der Küche, muß aber dann feststellen, daß in der Zuckerdose nichts mehr drin ist. Martin möchte gleich einkaufen gehen, aber Alex entgegnet achselzuckend, daß es für den Quarkmaker vielleicht kein Nichts gibt. Sie dreht die Zuckerdose um und ein paar in der Luft glitzernde Zuckerkristalle fallen heraus.


    => surreale Folge, Experimentalfolge


    Im S9-Folgenguide auf der Webseite ist die Folge bereits aufgenommen. Um Kommentare wird wie üblich gebeten.

  • Hier kommt Folge 165. Sie ist IMO nicht besonders gelungen. Ansonsten muß ich mich einleitend kurz fassen, damit ich nicht über die erlaubten 10.000 Zeichen komme. Demnächst gibt es wieder bessere Folgen.


    165. I, Pet


    Die Folge beginnt in Mikes Zimmer, wo Mike auf seinem Computer stolz seine neueste "Entdeckung" präsentiert. Wir sehen ein Computerspiel mit kleinen, felligen Pelzkugeln namens Schnuffelis, die angeblich den letzten Durchbruch im Bereich künstliches Leben und "Cyberpets" darstellen. Mike erklärt Rick, daß sich nun bei einem der Pärchen simulierter Wesen auf seinem Rechner einer der im Handbuch groß angekündigten Sprünge in der Evolution ereignet habe und diese "anders" als die restlichen KI-Wesen sind. Rick ist von Mikes Vorführung wenig beeindruckt und meint gelangweilt, daß das einzig Interessante an diesem pseudo-knuddeligen Kiddie-Spiel der angeblich versteckte Adventure-Modus wäre - wenn ihn denn jemand finden könnte.


    Mike ist jedoch mal wieder sehr überzeugt, was Rick zu dem launischen Kommentar bringt (mit Rückbezug auf frühere Folgen), daß sich Mike doch schon immer besondere Eigenschaften zu alltäglichen Dingen eingebildet hat: zuerst zu digitalen Avataren, dann zu Zeichentrickfiguren, dann zu Ratten - und jetzt eben zu digitalen Zeichentrick-Ratten. Mike sollte sich entweder ein echtes Leben besorgen oder in seinen Spinnereien zumindest einfallsreicher werden. Mike verneint, daß es eine simple Spinnerei ist und verweist auf die "wissenschaftliche" Werbekampagne des Publishers, nach der jeder Mitspieler an einem großen Experiment zum künstlichen Leben und Bewußtsein teilnimmt und Leute, die evolutionäre Entdeckungen machen, berühmt werden können. Er hält ein Plakat zum Spiel hoch, auf dem Professor Poldini dafür Werbung macht ("Warum wir Gott nicht (mehr) brauchen: erschaffen sie bewußtes Leben zuhause auf ihrem Rechner.")


    Mike kopiert die beiden Dateien seiner "bewußten" Schnuffelis auf eine Diskette und Rick läßt sich überreden, mit ihm zum Entwicklungsstudio des Programms drüben in der Großstadt zu fahren. Dort versucht man die beiden am Empfang mit einem Hinweis auf die automatisierte "Gratulations-Hotline" abzuwimmeln, aber Rick und Mike mogeln sich doch in das weitläufige Bürohochhaus. Die Marketingleute des Studios wirken amüsiert darüber, daß mit Mike jemand so deutlich über dem Alter der angepeilten Zielgruppe auf die schnuckelige Illusion hereingefallen ist. Niemand will sich die Dateien auf der Diskette ansehen, aber für Mikes Beweise werden schnell Erklärungen durch Mißdeutungen und Programmfehler gefunden.


    Überhaupt sollten die "Mängel", die Mike beschreibt, mit dem letzten Patch bzw. neuen Niedlichkeits-Update allesamt behoben sein. Mehr und mehr kommt heraus, daß die ganze Idee mit dem Projekt des öffentlichen "Experiments" zumindest für die Leute hier nur ein raffinierter Marketing-Gag war. Mikes theatralische Erklärung, was ihm am Spiel jenseits von Online-Ruhm und Punktezählen wichtig ist, wird mit verhaltenem Applaus begrüßt - und dem Hinweis darauf, daß er laut Marktstudie gerade für 1,4% der Käufer gesprochen hat. Mikes Frage, wo eigentlich der ursprüngliche Programmierer Dr. Albert "Al" Indersson steckt und warum dessen Name nicht mehr in den Credits des zweiten Teils vorkommt (obwohl doch alles auf seiner Arbeit aufbaut) wird ignoriert.


    Als "Belohnung" für Mikes und Ricks Besuch im Studio bekommen beide aber noch einen dröhnenden Trailer mit den neuesten Entwicklungen vorgeführt - wo die KI-Technologie der Schnuffelis dazu verwendet wird, Krieg und soldatische Tugenden noch überzeugender und fordernder zu präsentieren. Mike ist äußerst erschrocken über den ballernden Machismo und schleicht sich nach hinten in ein Nebenzimmer. Während Rick die Programmierer mit seinen penetraten Fragen zum geheimen Adventure-Modus ablenkt, blättert Mike stirnrunzelnd durch einen Stoß Akten mit klassifizierter Information zum Patch. Hier stößt er neben so manch obskuren Daten auf das unterstrichene Wort "Prometheus Glitch". Die Erwähnung dieses Begriffes führt dazu, daß Mike und Rick schnell zur Tür hinauskomplimentiert werden. Mike ist sauer und will sich im Gebäude auf die Suche nach Dr. Indersson machen. Zum großen Erstaunen finden beide den berühmten Entwickler nicht etwa in einem feudalen Großbüro, sondern am Ende eines Treppengewirrs im Keller in einem kleinen Kämmerchen.


    Dort ist der einstige Star nun verantwortlich für das Rendern der Ohren der neuesten Generation von kunterbunten 3D-Schnuffelis, nachdem es zu kreativen Differenzen mit den Machern gekommen war. Al bezeichnet Mikes Theorien als interessant, erklärt aber, daß die "Anzüge" oben mit solcherlei Dingen nichts mehr anfangen können - und wollen. Die Intelligenzroutinen wurden für Shooter einträglich lizensiert, damit Bots besser lernen, welche Körperteile beim Gegner durchschossen werden müssen. Auf den Begriff "Prometheus Glitch" angesprochen, wird Dr. Al leise und meint, daß es als reine Zufallsentdeckung der wahre Durchbruch gewesen wäre - eine Unterfunktion der KI, die theoretisch einer Möglichkeit zum freien Willen nahegekommen wäre. Allerdings hätte diese Funktion den Brutvorgang im Spiel um ca. vier Minuten verlängert, was man den Spielern nicht als Wartezeit zumuten wollte. Daher wurde die Funktion im Urcode ausgeschaltet und Reste mit Niedlichkeits-Patches behoben wurden. Seltsamerweise scheint es so, als ob Mikes zwei Schnuffelis wieder auf Teile dieses "glitches" zurückzugreifen scheinen.


    Leider kann er Mike aber ansonsten nicht weiterhelfen und empfiehlt ihm, seine Entdeckung sovielen Leuten wie nur möglich zugänglich zu machen und so Nachforschungen anzuregen. Wieder draußen auf der Straße hat Rick eine seiner berühmten Ideen: wenn man Daten sovielen Leuten wie möglich unterjubeln will, gibt es nur eine funktionierende Lösung: Email-Spam. Zufällig kennt Rick einen Spammer mit weltweiten Kontakten, der ihm noch einen Gefallen schuldet. Es werden einige seltsame Anspielungen auf den Grund für den Gefallen gemacht. Der dicke und klischeehafte Spammer lehnt aber jede Mithilfe ab, als er hört, worum es geht - es wäre schließlich gegen seine Berufsehre, seine "Endkunden" mit so etwas zu belästigen. Er wirft Mikes Diskette in den Mülleimer. Mike fragt niedergeschlagen, ob denn niemand mehr an echtem Leben interessiert wäre, worauf Rick leise entgegnet "Bist du es denn?". Als die beiden gegangen sind, wirft der Spammer einen nachdenklichen Blick auf den Mülleimer und zieht dann eine Schachtel mit dem Schnuffeli-Spiel aus einer Schublade.


    In der Nacht hat Mike einen Alptraum, in dem seine beiden Schnuffelis von marschierenden Stiefeln und gesichtslosen Soldaten durch finstere Szenarien und Zitate auf diverse Computerspiele verfolgt werden (unter anderem geht die Jagd durch das Haus aus "Little Computer People"). Am Ende können sich die beiden aber noch in eine einsame Telefonzelle retten und verschwinden dort Hand in Hand in einem wachsenden Telefonhörer. Die Szene wechselt zu einer Ansicht der Erdkugel und wir hören, daß überall auf der Welt Telefone anfangen zu klingeln und zu schrillen. Mike wacht auf und stellt fest, daß das Klingeln doch nur von seinem Wecker stammt. Er ist jedoch überzeugter denn je, daß etwas getan werden muß und schleift Rick am nächsten Tag wieder in die Stadt zu einer wissenschaftlichen Konferenz der KI-Forscher.


    Beide können sich einschleichen, aber Mike hat erneut keinen Erfolg. Alle sind amüsiert über seine Idee, im "Hausgebrauch" einen Fortschritt in der KI gefunden haben zu wollen - und diesen gleich auf einer Diskette mitgebracht zu haben. Da niemand mehr ein passendes Laufwerk hat, sieht sich auch keiner die Dateien an. Ein älterer Wissenschaftler winkt beide in ein Nebenzimmer und erklärt den Grund: als Legende ist der "Prometheus Glitch" in der KI-Fachwelt durchaus bekannt. Allerdings könnte er beweisen, daß so viele Forscher jahrelang in die falsche Richtung gesucht haben und die Lösung für bewußte KI viel einfacher wäre. Aber was würde das für all die Verträge mit der Industrie und die Subventionen bedeuten? Was ist im Moment wichtiger - Arbeitsplätze für echte Menschen oder der kurzzeitige Ruhm für ein einzelnes Paar simulierter Pelzkugeln? Mike gibt dem Forscher nachdenklich die Diskette, damit sie dieser zum richtigen Zeitpunkt publik machen soll. Als Rick und Mike gegangen sind, steckt dieser die Diskette in seine Aktentasche - Verträge dort zeigen uns aber deutlich, daß er für die Mutterfirma des Schnuffeli-Entwicklerstudios arbeitet.


    Die Szene blendet mit düsterer Musik aus, aber nochmals ein, denn scheinbar hat es sich der Spammer doch anders überlegt. Wir sehen einen PC-Bildschirm und die Einblendung "Auckland, Neuseeland, 2:24 Uhr". Im Postfach erscheint eine größere Menge an Spam mit den üblichen kuriosen Betreffen. Eine der Mails im Spamhaufen trägt den ungewöhnlichen Betreff "True Progress: are you interested in life?" Der Mauszeiger markiert jedoch ohne Zögern alle Mails zum Löschen und bewegt sich dann in Richtung des Delete-Buttons. Die Szene blendet aus.


    => Sozialsatire

  • Nun, ich bin ehrlich: Mir hat es nicht besonders gut gefallen. Schlecht war es nicht, aber mir fehlte es irgendwie an Charakter...


    Die Idee an sich ist gut mit den Schnuffis, doch irgendwie wirkt es auf mich eher wie eine Parodie auf die Welt der Computerspiel-Entwickler als wie eine Sozialsatire: Die Anspielung, wie oft Mike sich schon in solchen Welten verlor ("Farbskizzen" als Beispiel) ist ihmo sehr nett und die Idee passt auch zum Charakter. Allerdings verlässt du oftmals den Charakter des Mikes und bist zu sehr auf die Firma an sich interessiert und ihre Ausschlachtung (Patch zur Soldatenausbildung und so weiter), wodurch mir eine wirkliche Sozialsatire fehlt.


    Potenzial war da, allerdings würde ich sagen das war die bisher schwächste Folge von Staffel 9.

  • Nun, ich habe dir ja meine Kritik heute Mittag schon per Mail gesendet, kann aber nicht schaden es noch mal hier reinzustellen. Ich habe sie jetzt mal eins zu eins aus meiner Mail übernommen:

  • Im Endeffekt
    kann ich sagen, dass du sehr gute Arbeit geleistet hast

    Danke :-). Ich bin da immer weitaus selbstkritischer. Leider ist es bei dem geringen Feedback bzw. Kommentarzahlen zwischen 0 und 1 Kommentar pro Storyidee halt immer auch schwierig für mich, einzuschätzen, ob ich inhaltlich in die richtige Richtung gehe.


    Chris

  • Es gibt nun doch mal wieder eine neue Folge, Nummer 167. Vorsicht, sehr obskures Thema. Da es wieder mal über 10.000 Zeichen sind (man sollte das vielleicht doch mal raufsetzen) hier der Link zum Folgenguide auf der Webseite:


    http://www.bruchbach.de/index.php?con=staffel9


    Sollte Staffel 9 die letzte reguläre Staffel werden, so haben wir noch 13 Folgen vor uns. In diesen 13 Folgen müssen dann natürlich auch "Smoke on the Water" und "Fire in the Sky" beinhaltet sein. Das Problem ist dabei, daß ich einerseits merke, daß ich so langsam als einzelne Person an die kreative Grenze komme und die künstlerische Integrität eigentlich in Richtung Endgame deuten sollte. Auf der anderen Seite glaube ich nicht, daß sich sämtliche Plotfäden in gerade mal 13 Folgen auflösen lassen. Selbst wenn man einige fallen läßt, würde es immer noch recht hastig wirken, zumal ja auch andere Sorten von Folgen zur Balance rein müssten.


    Einerseits ist der Rahmen von 13 Folgen also groß, weil ich momentan nicht weiß, wie ich ihn füllen soll. Andererseits ist er klein, weil noch sovieles offen und unklar ist. Also doch Staffel 10?


    Die Story läuft inzwischen in mindestens 3 parallelen Dimensionen und auf eine 100% geradlinige Zeitebene sollte man sich vor dem Ende auch nicht mehr verlassen. Gerade auch solche Elemente geben mir immer wieder Anlaß zum Grübeln. Wie ist z.B. die Botschaft des Dunklen Tütenmann zu verstehen, wenn er sagt "Calliope shall live again" und wir einige Folgen später hören, daß Calliope der zweite Vorname von Clarissa ist? Wie kommen wir mit einem Storybogen an die Jonbar- bzw. Nexuspunkte in Rumänien oder im Physikraum der alten Schule ran? Gibt es einen Fire Lake oder weist dieser Weg eher nach Megiddo? Und zum öfter genannten Speculum Mundi fallen mir die Eco´schen Worte von Brother William of Baskerville ein, der da sagte "In order for there to be a mirror of the world, it is necessary that the world have a form..." Aber wohin bringt uns das alles?


    Ich hätte eben doch von Anfang an nur Stories machen sollen, in denen Rick jede Woche einen neuen Job hat, lustiges Zeug passiert und die nächste Folge wieder auf Status Quo setzt. Obwohl...näh!!! Ich habe mir diese Suppe eingebrockt, jetzt muß ich sie auch auslöffeln.


    Chris

  • Noch nichts greifbar Neues, aber einige Überlegungen:


    Am Wochenende hatte ich jetzt eine gewisse Inspiration zu einer Story, die mir einige Plotfäden zusammenführen könnte. Es wird später in der Staffel eventuell ein Zweiteiler werden, und zwar eine multidimensionale Tütenmann-Story mit dem vorläufigen Arbeitstitel "Paradise Lost & Found" (aka "Tütenmann vs The Seeker"). Sollte es klappen, wird es eventuell einige wichtige Handlungsfäden vor dem Finale zusammenführen.


    Bis dahin brauche ich allerdings noch einige andere Folgen. Die Beatles-Folge mit Klaus und Randolf krankt immer noch an Handlungsmangel. Ich hatte mir überlegt, ob ich vielleicht neben dem Beatles-Thema noch Hitchcock-Filme zitieren sollte (auch visuell). Auf die Idee kam ich eigentlich nur, weil ich als Visualisierung zu "Strawberry Fields Forever" eine Verfolgungsjagd auf Erdbeerfeldern im "North by Northwest"-Stil in Betracht gezogen habe.


    Apropos Musik: wie ich jetzt beim Durchhören von Musiken festgestellt habe, gibt es ein Lied, daß wir unbedingt für einen Abspann bräuchten. Die Folge "Sommerland" aus Staffel 7 sollte als eine der (bisher) verstörendsten und düstersten Folgen über dem Abspann mit der 1960er Percy-Faith-Version von "Theme from A Summerplace" unterlegt sein. Es geht doch nichts über Kontrast.


    Ansonsten finde ich es natürlich schade, daß zu Staffel 9 bisher sowenig Feedback kam - auch von meinen etablierten Lesern. Gerade Folge 167 war (welche Mängel sie auch sonst immer haben mag) ein für mich durchaus gewagt und interessant erscheinender Ansatz im Zeichentrickbereich.


    Chris

  • Wie versprochen, ist hier die erste neue Staffel-9-Folge des Jahres 2011. Es ist die Folge mit Klaus und Randolf, mit der ich nie sonderlich zufrieden war. Das Ergebnis ist durchaus akzeptabel, hat für meinen Geschmack aber doch einen gewissen Simpsons-S1x-Beigeschmack. An die epische Skala eines "Paradise Lost & Found 1 + 2" reicht es bei weitem nicht heran, aber für die Balance innerhalb der Staffel könnte es ganz passend sein. Im Episodenguide auf der Webseite ist die Folge schon.


    Ich habe lange an den Titel hinüberlegt, etliche Songnamen und Parodien probiert, die auch nicht zuviel von der Story verraten sollten. Letztlich war die einfachste Idee dann vielleicht sogar die Beste. Ob es eine akzeptable Folge ist oder zu generisch (gerade auch mit Blick auf die Lizenzkosten für die Songs) kann ich als Entscheidung nur dem Leser überlassen. Wer alle zitierten Songtitel findet, ist gut. Wobei sich von einem guten Autorenteam sicher noch weit mehr Zitate einbauen ließen.


    171. Starr Wars


    Die Folge beginnt bei einem gepflegten Abendessen im Wohnzimmer von Randolf. Wir sehen Alex, Rick, Mike und Klaus als die Gäste. Rick versucht mehrfach, das Gespräch in die Richtung zu lenken, daß hier bestimmt "wichtige Dinge" besprochen werden müssen, aber alle anderen Gäste (erstaulicherweise selbst Alex) beharren darauf, daß es nur ein entspannter Abend bei Freunden ist. Nach dem Nachtisch zeigen sich Randolf und Klaus aber doch in der Stimmung, endlich zu erzählen, was denn nun zwischen dem Aufbruch von Klaus am Ende von Folge 159 und der Rückkehr der beiden in poppig-bunten Matrosenanzügen am Ende von Folge 161 geschehen ist. Die Folge wechselt zu einer Rückblende.


    Nach einer kleinen Odyssey durch Europa mit seinem qualmenden VW-Bus hatte Klaus Randolf schließlich in London gefunden - und zwar als unrasierten Camper mit einem Zelt auf dem Parkplatz vor dem BBC-Gebäude. Randolf erklärt ihm, daß er sich über seine "eigene" Entscheidung, Bruchbach zu verlassen, nicht mehr sicher ist, da ihm seine schräge Vision von den Dexy´s Midnight Runners im Rückblick gesehen immer suspekter (und für den Musikkenner inhaltlich fehlerhafter) vorkam. Klaus erzählt ihm nach etwas Zögern, daß auch er selbst einen irritierenden Tagtraum hatte, in dem er all jenen Personen begegnet wäre, die er in seinem Leben mit seinem "Nostalgie-Spleen" vergrault hatte. Alle diese Leute haben versucht, ihn davon zu überzeugen, daß ihn nur das glückliche Schwimmen mit dem Strom befreien würde. Erst als unter den Personen auch Anna aus Folge 101 aufgetaucht ist (und einen iPod in der Hand hielt) hatte Klaus erkannt, daß er hier keine Wahrheit sieht und der Traum ist in Scherben zerbrochen.


    Klaus versucht Randolf zur Rückkehr zu überreden, aber dieser winkt ab. Er erklärt, daß er hier auf dem Parkplatz campiert, weil er Ringo Starr treffen möchte. Wie allgemein bekannt ist, war Ringo doch in den Beatles-Filmen auch immer der "Hausel", den die anderen Beatles rumgeschubst und veralbert haben. Und weil sich Randolf im Moment auch genauso fühlt bzw. als Schachfigur in einem Spiel anderer Leute sieht, dachte er sich, daß ihm nur Ringo den passenden Rat für seine Zukunft geben kann. Weil Ringo Gerüchten zufolge morgen eine BBC-Show moderiert, campiert er eben hier und wartet auf ihn. Klaus hält das für eine unsinnige Idee, schließt sich Randolf aber letztlich an und beide campieren im Zelt - beobachtet von Überwachungskameras, die das Bild direkt in einen Raum voller Monitore übertragen. Ein schemenhafter Mann im Schatten deutet auf Randolf und Klaus und nickt. Jemand reicht ihm ein rotes Telefon und ominöse Musik erklingt.


    Am nächsten Morgen werden Randolf und Klaus als Ruhestörer verhaftet und in einen Polizeibus verfrachtet - zusammen mit einer schrägen Gruppe pseudo-russischer Gestalten, die direkt aus einem plüschigen Agentenfilm im Stil der Swinging Sixties ausgebrochen zu sein scheinen. Ein zotteliger Donkosak fragt Klaus finster "Do you want to know a secret?", was letzlich in eine spontane Musicalnummer zu "Back in the U.S.S.R." von den Beatles und zu einem spekakulären Unfall des Polizeibusses führt. Randolf und Klaus finden sich plötzlich in der Freiheit wieder. Eine der verletzten russischen "Agentinnen" drückt ihnen einen versiegelten Koffer in die Hand und erklärt, sie wäre Doppelagentin im Auftrag Ihrer Majestät. Die geheimen U-Boot-Pläne in dem Koffer müssten umgehend zum geheimen Marineministerium gebracht und dort dem Geheimwissenschaftler Dr. Starkey übergeben werden. Nur so könne ein Agentenkrieg verhindert werden. Dann stirbt die Agentin äußerst dramatisch ohne Grund.


    Klaus und Randolf werden jetzt von diversen Dunkelmännern zu Fuß und mit Fahrzeugen durch die Innenstadt verfolgt (begleitet von "Rock and Roll Music" als Soundtrack und von den surrenden Blicken der Überwachungskameras). Auch eine improvisierte Tarnung mit zwei Besenbüscheln einer Straßenkehrmaschine als Perücken führt zu wenig - nun werden beide von einer Gruppe kreischender Teenager verfolgt. Endlich entkommen, wollen sie die Dokumente bei der Polizei abgeben, geraten jedoch auch hier an offensichtlich falsche "Bobbies" aus dem tiefsten Sibirien. Nun entschließt sich Randolf, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und keine Schachfigur mehr zu sein - sie werden diese Dokumente zum Marineministerium bringen und an Dr. Starkey übergeben. Wie Randolf stolz erklärt, lebte in der Stadt, in der er geboren wurde, ein Mann, der zur See fuhr und ihm viel über U-Boote erzählt hatte. Klaus meint wenig begeistert, daß der einzige Seekapitän, der jemals aus Bruchbach kam, auch nur dafür bekannt ist, einen Ozeanriesen im Bruchbacher Kanal festgesetzt zu haben (wir sehen eine kurze Blende zu einem grün bemoosten Riesenschiff, das schräg im Kanal verkeilt ist. Ein Banner verkündet "Jungfernfahrt Oktober 1974".)


    Ein haariger Informant, der frapante Ähnlichkeit mit Sergeant Floyd Pepper aus der Muppet Show hat, erklärt den beiden in einem seltsamen Gespräch, daß man Doctor S. nicht so einfach an einem bestimmten Ort antreffen kann - er wäre nämlich ein richtiger Nowhere Man. Der Informant kann ihnen nur noch eine halbe Adresse in der Penny Lane nennen, wird aber erschossen, bevor er die korrekte Hausnummer sagen kann. Beschattet von Männern in billiger Briefträgerverkleidung (und zu den Klängen von "Please Mister Postman") verstecken sich die beiden in einem Einkaufszentrum. Im Hintergrund sehen wir allerlei Schilder und Läden wie ein Tiergeschäft namens "Octopus´s Garden" und einen Buchladen namens "Paperback Seller". Randolf und Klaus fliehen in ein recht surreales Süßwarengeschäft mit dem Namen "Lucy and her Sweets with Delight".


    Nach dem Genuß von etwas Zuckerwatte wird die Szene noch surrealer und der Animationsstil wechselt zu einem kleinen Tribut an Heinz Edelmann bzw. an Yellow Submarine. Als die beiden mit Kopfschmerzen endlich wieder aufwachen (Klaus fragt sich, wo denn das Mädchen mit den Kaleidoskopaugen hin verschwunden ist) befinden sie sich in einem dunklen Raum. Ein Mann im Rollstuhl mit stark Strangelove-esquen Tendenzen stellt sich als Agent der deutschen Marine namens "Herr Siegfried" vor und verlangt von den beiden aus Vaterlandstreue die geheimen, britischen Dokumente an ihn zu übergeben. Klaus und Randolf weigern sich jedoch und können seltsamerweise erneut entkommen. Ausgerechnet mit einem Handy ruft Klaus bei Scotland Yard an und läßt eine schräge Warnung vor Russen, Deutschen und sonstigen bösen Buben auf deren Anrufbeantworter zurück, bevor eine wilde Schießerei beginnt - zwischen Agenten aller möglichen Länder, inklusive solcher, die es eigentlich gar nicht mehr gibt.


    In einem Kleiderfundus tarnen sich die beiden mit bunten Matrosenanzügen und wollen aus dem Durcheinander entkommen. Auf dem Weg nach draußen entdecken sie eine Tür mit der seltsamen Aufschrift "Secret Marine Ministry - Office of the Honorable Doctor R. Starkey". Hinter der Tür ist ein weitläufiger, dunkler Raum. Wir sehen den Mann im Schatten, der die beiden schon vor dem BBC-Gebäude beobachtet hatte. Er streckt die Hand nach dem Koffer aus. Klaus und Randolf weichen zurück, als plötzlich überall Scheinwerfer angehen und sie sich vor laufenden Fernsehkameras und einem applaudierenden Publikum wiederfinden. Der Mann im Schatten ist in der Tat Mr. Richard Starkey - besser bekannt als Ringo Starr. Wie ihnen ein Übersetzer erklärt, waren Klaus und Randolf während der letzten Stunden die Stars in einer großen, musikalischen Realityshow mit Beatles-Zitaten und wurden dank der unzähligen Überwachungskameras in der Stadt die ganze Zeit über live gefilmt. Ringo Starr ist Moderator der Sendung und Klaus und Randolf haben durch ihr "freiwilliges" Mitspielen den großen Hauptpreis gewonnen.


    Während Klaus sein ärgerliches Mißfallen über solchen Unfug, Überwachungswahn und dumpfe Klischees Marke Herr Siegfried ausdrückt, sieht Randolf trotz allem endlich seine Chance gekommen, Ringo um Rat zu fragen. Er klagt diesem sein Leid und fragt ihn, wie es denn nun ohne seinen Sender in Bruchbach weitergehen soll, und was überhaupt der Sinn des Ganzen wäre. Leider stellt sich heraus, daß Ringo kein Wort Deutsch spricht und auf Randolfs Fragen hin nur mit den Achseln zucken kann. Letztlich klopft er dem niedergeschlagenen Randolf aber auf die Schultern und sagt "It don´t come easy...". Randolf nickt nachdenklich.


    Die Preisverleihung an die vermeintlichen Gewinner verläuft dann nicht ganz nach Plan, denn Klaus und Randolf sollen ihren sauer verdienten Gewinn sofort wieder spenden - und zwar zugunsten eines gewissen Mr. Kite. Nach etwas Rangelei um einen Korb voller Pfundnoten stellt sich heraus, daß Scotland Yard den Anruf von Klaus wegen der Rumballerei auf der Tonspur wohl doch ernster genommen hat. Bewaffnete Polizisten und Agenten stürmen das TV-Studio und verhaften alle Anwesenden - inklusive Ringo, der in Handschellen abgeführt wird, und dem sein Protest wenig hilft ("But you´ve got to let me go. I´m Ringo..." "Yeah. That´s what they all say..."). Randolf und Klaus greifen sich ein Bündel Geldscheine aus dem Gewinnkorb und können in ihren Matrosenanzügen knapp entkommen. Die Rückblende endet und die Szene blendet zurück in Randolfs Wohnzimmer.


    Rick runzelt die Stirn und ist von der seltsamen Story mit Musik von vorgestern wenig angetan. Er stellt deren Wahrheitsgehalt in Frage, weist aber gleichzeitig auch Alex darauf hin, daß Randolf und Klaus nun ihre Story erzählt haben und es vielleicht auch für andere Personen an der Zeit wäre, mit der Geheimniskrämerei aufzuhören. Alex ignoriert den Wink mit dem Zaunpfahl und fragt Randolf irgendwie wissend, was er jetzt weiter tun wird. Rick ist mehr daran interessiert, was eigentlich aus dem dicken Gewinn geworden ist, den sich beide am Schluß noch greifen konnten. Randolf steht auf und führt die Freunde nach unten in den Keller. Dort sind die Regale seiner zurückgekauften Schallplattensammlung wieder bis unter die Decke gefüllt. Alex nickt lächelnd.


    => Medienparodie, Musicalfolge


    Am Schluß habe ich den Eindruck, daß irgendwie noch eine Pointe fehlt. Eventuell eine Rückblende zu Ringo immer noch hinter Gittern? Oder ein offscreen-Kommentar von Randolf, der sagt, daß es jetzt an der Zeit für richtig gute Musik ist und dann irgendetwas von den Stones über den Abspann ;-).


    Die Dialogzeile "You´ve got to let me go. I´m Ringo...", "That´s what they all say..." ist übrigens ein direktes Zitat aus "A Hard Days Night" von 1964, als Ringo auch verhaftet wird.


    Kommentare, Kritik und Ideen sind stets willkommen.


    Chris

  • Ein Staffel-9-Beitrag aus meinem Blog:


    Weil ich mich gerade mal wieder durch Staffel 9 lese, fielen mir zwei bzw. drei Folgen in dieser Staffel auf, die zwar jede Menge Arbeit gemacht haben, die aber beim Leser wohl eher auf Irritation gestoßen sind (so zumindest mein Eindruck).


    Die erste Folge davon ist Nr. 166. "Melissa". Wie schon geschrieben, war die grundlegende Inspiration dafür eine Avengers-Folge von 1965 mit dem Titel "Two´s a Crowd". Alternativ kann man eine Anregung auch in klassischen Heist-Filmen wie z.B. "Oceans Eleven" sehen, denn letztendlich geht es bei der Scharade um den Inhalt von Alf Rudmanns Tresor. Die Agenda der Beteiligten ist dabei für lange Zeit undurchschaubar. Interessant an der Folge ist für mich auch, daß sie dem Zuschauer im "My Fair Lady"-Stil die vermeintliche Charakterentwicklung einer Figur zeigt, die gar nicht existiert. Es gibt keine Melissa Gantenbrink in Bruchbach.


    Darüber hinaus ist die Folge quasi auch die erste aktive Umsetzung der Schlußszene aus den "Tränen von Megiddo". Waren die Hauptcharaktere in den letzten beiden Staffeln eher Schachfiguren im Spiel anderer Mächte bzw. die andere Seite stets mehrere Schritte voraus, wechselt die Initiative nun. Das Spiel hat gerade erst angefangen. Es war mir auch wichtig, daß Alex in der Story aus einer passiv kommentierenden Rolle herauskommt und die Gegenseite aktiv an der Nase herumführt - wenn auch zum Schluß nicht zu 100% erfolgreich. Waren vorherige Mythology-Folgen in Staffel 8 wie "Lest Darkness Fall", "Fire Lake" und "Magic Bus" eher von einem gewissen, passiven Fatalismus durchzogen, kommt nun eine aktivere, positivere Stimmung mit herein, was sich vielleicht auch gut in der bis dato ungewohnten Kombination von Serienmythology und bunten Musicalszenen zeigt.


    Und ja, es gibt von dem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt etwas sehr, sehr Wichtiges zu sehen, was aber bisher nur Alex auffällt, weil die anderen nicht wissen, worauf sie schauen müssen. Dazu mehr in späteren Folgen, denn es ist ein wichtiger Schlüssel.


    Kommen wir mit diesem Wort umfangreicher zur zweiten Problemfolge (?) in Staffel 9, nämlich zum Zweiteiler Nr. 169 und Nr. 170, "Paradise Lost & Found". Der Titel (den ich als Schildergag schon in einem älteren Simpsons-Skript verwendet habe) ist eine Verbindung von Miltons Romantitel "Paradise Lost" und dem englischen Begriff für ein Fundbüro, "Lost & Found".


    Was viele Leser bei dieser Story irritiert haben mag, ist eventuell, daß zwar sehr viel passiert, aber fast nichts davon Relevanz für die normale Handlungslinie hat, oder diese irgendwie voranbringt. Beinahe alle Ereignisse finden in einer alternativen Realität statt, und berühren die eigentliche Mythology nur in der Vergangenheit, um einige Fäden und Knoten aufzulösen. So erfahren wir, wer in Folge 140 das berühmte Metallröhrchen aus dem Gebüsch in Richtung Mike geworfen hat (und warum), was es überhaupt mit dem Jonbar-Titel der Episode auf sich hat, und wie Mike denn schon in Folge 140 in Rumänien ein Röhrchen finden kann, das eigentlich erst in Folge 167 mitten in Bruchbach verschwunden ist. Außerdem gibt uns die Folge eine Verbindung zwischen der Aussage des dunklen Tütenmannes in "The Dark Bag" über seine geliebte Calliope und dem Hinweis in der Lichterstadt, daß Ricks Clarissa mit zweitem Vornamen Calliope heißt. Auch ihre Rolle, die sie vor dem Ende noch zu erfüllen hat, ist vielleicht (?) damit abgedeckt.


    Was ebenfalls seltsam erscheinen mag, ist die die Natur der Story als interdimensionale Superheldenparodie in einem von CP/M verwalteten Multiversum, deren geheimer Hauptdarsteller im Hintergrund ausgerechnet der erste Weltkrieg ist. So ist der Schuh, den der Seeker/Godmaker gestohlen hat (und den wir kurz in seinem Museum sehen) natürlich der Schuh von Gavrilo Princip, der wie erklärt am 28.06.1914 in Sarajewo den ersten Weltkrieg ausgelöst hätte, wäre er nicht wegen seines fehlenden Schuhes eine Treppe heruntergefallen. Somit ist der Schuh quasi ein relevantes Objekt (und der Treppensturz auch ein Jonbar-Punkt, der über den Verlauf einer Weltlinie entscheidet) und wurde daher vom Godmaker bei seiner Suche nach dem Schlüssel gestohlen.


    Die Realitätslinie, die ausgerechnet dabei erzeugt wurde, ist jene, in der die Calliope des dunklen Tütenmannes gestorben ist. Das wird deutlich durch z.B. die monumentale Statue von "Kaiser Franz-Ferdinand 1863 - 1951" in Wien oder auch durch die Pyramide auf dem Roten Platz am Ende, die jetzt nicht das Mausoleum von Lenin ist, sondern das Grabmal der Zarin Anastasia. Was aber besonders düster auffällt, ist, daß das Resultat eines so verhinderten ersten Weltkrieges quasi ein monarchistisch-imperialistisches Europa ist, das in knapp 100 Jahren trotzdem bereits 3 Weltkriege hinter sich hat, denn die aus Zerstörung aufsteigenden Raketen werden vom Godmaker als der Beginn des vierten Weltkrieges bezeichnet. Hier taucht vielleicht auch die trekkige Fragestellung nach dem Wohl von vielen vs dem Wohl von wenigen oder einzelnen auf. Wenn eine Weltkatastrophe (unbeabsichtigt) verhindert wird, wozu führt das dann? Wenn eine Person (wie Calliope) aus einer anderen Weltlinie "gerettet" würde, wohin führte das?


    Verschiedene Bezüge hier und in früheren Folgen verweisen auch auf Jack Williamsons klassischen SF-Roman "The Legion of Time" von 1952, in dem der Begriff der Jonbar-Punkte eingeführt wurde. So ist das Auftauchen der beiden Calliopes ein direkter Verweis auf einen Aspekt des Buches, der als Sorainya-Lethonee-Dualität bezeichnet wird. Daß die Charaktere in der Folge als Spiegel fluktuierender Weltenlinien dargestellt werden (ihr äußeres Erscheinungsbild wechselt subtil) fügt hier eventuell noch eine weitere Ebene hinzu, auch wenn ich nun nicht so recht weiß, welche. Wellenfunktionen? Bei dem ganzen Spiel mit den Realitäten stellt sich natürlich auch die Frage, ob "unser" Bruchbach aus den normalen Folgen nun ein Teil unserer Realität ist oder sich auch parallel dazu bewegt. Schließlich gibt es in unserer wahren Welt keine TV-Serien namens "Oddville" und "Sterne über Paris" und die britischen Superagenten im Kino heißen nicht Slade Pertwee. Das nur als Gedanke am Rande.


    Wichtig an der Doppelfolge ist denke ich auch, daß sie ihre Ideen natürlich auch parodiert und das komplexe Thema Dimensionen und Parallelwelten nicht zu ernst nimmt. Anstelle von komplizierter Technologie oder gar Esoterik wird 8-Bit-Bubes Maschine von einem wenig effektiven 8-Bit-Betriebssystem befeuert, das seiner Aussage nach als Einziges dazu in der Lage ist, die Struktur der Raumzeit zu verwalten (hey, was ist mit DOS? ;-)). Auf dem grünen Bildschirm läuft Pong und der "Bug", der die Weltenportale zersplittern läßt, ist die wortwörtliche Motte zwischen Röhren und riesigen Steckkarten. Als der Godmaker Tütenmann fragt, ob er denn ernsthaft glaubt, daß das Universum so einfach wäre, daß ein Schlüssel wirklich ein Schlüssel sei, wäre die korrekte Antwort vermutlich: "Also wenn sich dieses Multiversum mit 8-Bit-Bubes Schrott verwalten läßt, kann es ja gar nicht so kompliziert sein..." Die Tatsache, daß die Lokalzeitung nach der interdimensionalen Heldentat lieber über Rüben-Bert berichtet, der einen Korb mit Kätzchen von der Straße gerettet hat, und der Kommentar der alternativen Alex dazu, ist auch Ironie zum Thema Perspektiven.


    Das nur als eine mögliche Deutung. Ich bin nun sicher nicht auf alle Aspekte eingegangen. Einige Fragen sind beantwortet, aber sehr viele andere Fragen sind noch offen. Warum ist das kleine Metallröhrchen der Schlüssel und ein wichtiges Objekt für Sein oder Vergehen einer Weltlinie? Was bedeutet der Verweis auf Ragnarök und Fenrir, den Wolf? Warum tauchen Edgar und Zoe aus "Time in A Bottle" auf dem Hochzeitsfoto von Calliope auf? Wer ist der "Andere", von dem damals gesprochen wurde? Der Schäfer? Quantum Hias? Jemand anderes? Zählt das, was geschrieben steht oder das, was nicht geschrieben steht? Was hat es mit dem Physikraum der alten Schule auf sich? Was ist mit Folge 42? Und vieles mehr. Wer weiß schon, wie das Ende aussieht.


    Mir ist klar, daß nicht alle Leser mit dem Verlauf der Story in Staffel 9 einverstanden sind. Allerdings denke ich doch, daß gerade auch "Paradise Lost & Found" mehr verdient hätte, als nur einen einzigen, müden "Tütenmann-Folgen mag ich nicht"-Kommentar.


    Chris


    P.S. Das Layout zum Buch ist nun so gut wie fertig, hier eine Beispielseite ohne Zeichnungen:


  • Hier nun die aktuelle Folge Nr. 172, "The Yesterday Glasses". Es wäre für das Forum vermutlich wieder zuviel Text, daher hier der übliche Link zum Episodenguide Staffel 9 - bitte einfach unter Folge 172 nachlesen.


    Ich bin wie üblich nicht so ganz zufrieden, es ist in jedem Fall nicht die simple-humoristische Folge, die es aus Gründen der Balance an dieser Stelle gebraucht hätte. Es gäbe sicher mehr dazu zu sagen.


    http://www.bruchbach.de/index.php?con=staffel9


    Kommentare sind wie immer willkommen, gerne auch per Email.


    Chris

  • Damit nicht der Eindruck aufkommt, ich würde mir keine Gedanken mehr zu neuen Folgen für Staffel 9 machen, hier eine Idee für eine kommende Episode. Seit ich mich wieder mit der Kreativität und Lebendigkeit hinter der klassischen Muppet Show beschäftigt habe, habe ich die grobe Idee, auch mal eine Bruchbach-Episode zu machen, die teilweise mit klassischem "Handpuppentheater" arbeitet. Was bedeutet, daß zumindest einige Minuten der Folge Realfilm und Puppentheater sind. Die Story muß aber natürlich dazu passen und im Bruchbach-Universum angesiedelt sein.


    Man verzeihe die Formelhaftigkeit des folgenden Ansatzes: eventuell irgendwas in der Art, daß Alex, Rick und Mike zufällig über ein bankrottes Puppentheater stolpern, daß von der Rudmann Animation Factory übernommen werden soll, und dessen einstmals erfolgreiche Figuren nun für eine marketing-durchgeplante Webshow herhalten sollen. Daraufhin organisiert Alex eine letzte große Vorstellung mit dem Puppentheater, bei der die dort auftretenden (Tier?)-Charaktere (allesamt einfache Hand- und Stockpuppen) erstaunliche Ähnlichkeit mit bekannten Bruchbachern aufweisen, einschließlich Alex, Rick und Mike. Das aufgeführte - und von Alex geschriebene - Theaterstück über eine sterbende Puppenwelt (?) weist jedoch deutliche Parallelen zu aktuellen Ereignissen in Bruchbach auf, was auch den Bürgermeister nachdenklich stimmt, weil die Metafrage, wer nun Puppe ist, und wer handelnder Mensch, subtil aufgeworfen wird.


    Ich hatte mir dazu irgendetwas gedacht, daß auf mehreren Ebenen funktioniert, wie z.B.


    - eine satirische Betrachtung über den künstlerischen Ausverkauf der klassischen Muppet-Kreativität an den Disney-Konzern. Das ist zugegeben ein etwas simpler Ansatz, der auch nicht so ganz in ein deutsches Umfeld passt, weil es hier die Vaudeville-Tradition der klassischen Muppet Show nicht gegeben hat.


    - eine Betrachtung dazu, wie sehr "Lebendigkeit" bei fiktiven Figuren im modernen Zeitgeist nur noch mit CGI-Perfektion und HD gleichgesetzt wird - wobei in der Story betont wird, daß das "Leben" in den fiktiven Figuren immer vom Künstler dahinter abhängt und auch eine simple Handpuppe ein vielschichtiger Charakter sein kann, wenn der Künstler etwas zu sagen hat.


    - vielleicht auch eine Erzählebene, in der eine Vorstellung stattfindet, die den Bruchbachern zeigt, daß vielleicht auch sie selbst nur "Handpuppen" in einem größeren Spiel sind und die Frage aufwirft, wer die Fäden im Hintergrund zieht. Hey, da könnte man eine schräge Referenz auf Bela Lugosis "Pull the strings" aus "Glen & Glenda" einbauen ;-). Vielleicht auch irgendwie in der Art, daß sich die Aufführung direkt an den Bürgermeister wendet, so wie bei Hamlet und "the conscience of the king". Was die Handlung wieder in der Mythology-Bereich bringen würde bzw. auch zum Metathema fiktive Figuren.


    - ganz am Rande vielleicht noch einen kleinen Subplotfaden, über Rick, der sich schon immer vor Handpuppen gefürchtet hat und nun quasi als Puppenspieler diese Kindheitsangst überwinden muß (okay, noch mehr Formelhaftigkeit).


    Als Titel hatte ich mir irgendetwas in der Art von "Sock Puppets" oder "Last Puppet Picture Show" gedacht. Hat jemand irgendwelche Meinungen und Ideen zu dieser Handlung?


    Chris

  • Hier nun die fertige Folgenidee:


    173. Sock Puppets


    Wegen einer obskuren Wette durchwühlen Rick und Mike überall in der Stadt die Mülltonnen auf der Suche nach Blechdosen, in denen vorher Obstsalat war (mit Alex als "Schiedsrichter" im Schlepptau, der die ganze Sache peinlich ist.) In einem Müllcontainer in einem Hinterhof stoßen die beiden auf eine ganze Ladung bunter "Socken", die sich bei näherer Betrachtung als selbstgebaute Handpuppen herausstellen. Alex erkennt in einer der Puppen eine Figur aus ihrer Kinderzeit wieder - sie hatte damals mit ihren Eltern eine Puppenshow im früher berühmten Bruchbacher Puppentheater besucht (ein Theater, daß für seine scharfen politischen und kritischen Kommentare bekannt war). Bei noch näherer Betrachtung stellt sich die heruntergekommene Fassade, vor der der Müllcontainer steht, als eben jenes Theater heraus. An der Tür hängt eine Notiz über die vollständige Schließung und den Abbruch in wenigen Tagen.


    Bei einem Gespräch mit der kleinen Gruppe verbliebener Puppenspieler im Theater stellt sich heraus, daß der Gründer vor einigen Monaten gestorben ist und dessen Enkel die marode Bühne aus finanziellen Gründen nicht mehr weiterführen kann. Daher fallen in 3 Tagen alle Rechte an den noch übrigen Figuren (viele wurden bereits entsorgt) an die Rudmann Animation Factory, die diese als Gegenleistung dafür erworben hat, den Puppenspielern einige geringe Monatslöhne auszuzahlen. Rick meint achselzuckend, daß die Macher dann doch froh sein sollten, daß sich ein bekannter Trickfilm-Titan wie Alf Rudmann für das Weiterleben der Puppen einsetzt. Der Enkel zeigt auf einem Fernseher eine klassische Folge des Puppentheaters, daß in den 70er Jahren sogar seine eigene Fernsehshow in den dritten Programmen hatte. Wir sehen in einem animierten Clip, wie die Puppen Franz-Josef Strauss nach Strich und Faden veräppeln, während dieser versucht, ein konservatives Wahlprogramm an die jungen Zuschauer zu verkaufen.


    Auf seinem Computer zeigt der Enkel dann die Pilotfolge einer Webshow, für die die Figuren bei der Rudmann Animation Factory eingesetzt werden sollen. In einer Art Castingshow sehen wir eine web-animierte Karikatur von Dieter Bohlen mit den Co-Judges Jim-Bob aus "Oddville" und MC Pflaumenpudding. Eine Gruppe von Puppenhäschen singt einen Kuschelwuschel-Kaufmich-Song, worauf es von den Richtern einige krude Ätzkommentare gibt, und Jim-Bob dann an einem Hebel zieht, der ein Klavier auf die Puppen wirft. Alex schüttelt verärgert den Kopf, während sich Rick amüsiert die URL der Webshow notiert. Auf einen ärgerlichen Blick von Alex hin erklärt er schnaufend, daß er genau weiß, was jetzt mal wieder ansteht: sie müssten dem armen Theater gegen den bösen Großkonzern zu Hilfe eilen. Eher sarkastisch hat Rick ein paar klischeehafte Pläne zur Hand, wie z.B. den verborgenen Schatz im Theater zu finden, um alles wieder heile zu machen.


    Leider gibt es keinen Schatz und ein Blick auf die Buchhaltung des Theaters zeigt Alex, daß hier wohl nichts mehr zu retten ist. Sitze und Bühne bröseln und bröckeln vor sich hin, ein Sonnenstrahl fällt durch ein frisches Loch in der Decke in den Innenraum. Während Alex im leeren Theater sitzt und traurig nachdenkt, führt einer der Puppenspieler für sie eine kleine Vorstellung auf: die Folge blendet zu realem Film, während ein Darsteller komplett in Schwarz gekleidet vor schwarzem Hintergrund eine gelenkige Stabmarionette bedient. Es ist der grazile Tanz einer alternden Ballerina, die am Ende mit einer zarten Verbeugung auf der Bühne "stirbt" und zur leblosen Hülle wird. Alex wischt sich eine Träne aus den Augen - und hat eine Idee. Bevor die Rechte verloren gehen, sollten die Puppen noch einmal eine grandiose Abschiedsvorstellung vor vollem Haus bekommen. Leider zeigen sich nur wenige Puppenspieler an der Idee interessiert - schließlich wolle man den künftigen Chef Alf Rudmann nicht verärgern, da er doch den ausstehenden Lohn bezahlen soll.


    Mit ein paar wenigen Helfern entschließt sich Alex, die Show zusammen mit Rick und Mike als Puppenspielern zu machen. Rick hat sofort Pläne für eine sensationelle, inspirierende, zelebrierende Puppen-Schau, aber Alex möchte das Stück selbst schreiben (was Rick zu dem Kommentar veranlasst, daß man dann jede Hoffnung auf Erfolg fahren lassen sollte). Trotzdem wird in den nächsten zwei Tagen rund um die Uhr geschrieben und geprobt. Alex schreibt an Texten und näht an neuen Puppen. Überall in der Stadt hängen Plakate, die zu einer "Last Puppet Picture Show"-Vorstellung gratis einladen, bevor die berühmten Charaktere von einst unter die Räder eines gesichtslosen Entertainment-Konzerns kommen. Wir sehen, wie Colonel Henchman eines der Plakete abreisst und zu einem weißen Rolls-Royce bringt.


    Am Tag der großen Vorstellung herrscht ziemliches Chaos im Puppentheater, da viele Puppen nur halbfertig sind oder andere Dinge nicht funktionieren. Das Loch in der Decke bröckelt immer weiter auf. Anstatt sich an den Proben zu beteiligen, lümmeln Rick und Mike lieber in einer der Logen herum und rufen Lästerkommentare nach unten. In dem ganzen Durcheinander taucht auch noch Alf Rudmann auf, der über diesen ganzen Aufstand mit "seinen" Figuren wenig erfreut ist. Er sagt, er wäre doch enttäuscht von Alex und fragt sie mit einem mysteriösen Verweis auf den Kalender, ob sie denn zur Zeit nichts Wichtigeres zu tun hätte, als irgendeinem Puppentheater zu helfen. Außerdem ist ihm schleierhaft, warum sie gegen einen Aufkauf der Rechte durch ihn sei. Er wäre ein großer Fan des Theaters und in seinem Konzern würden die Figuren noch sehr lange leben und im Gedächtnis der Menschen bleiben. Mit einem Bezug auf Folge 149 erinnert er Alex auch daran, daß ihre letzte "Hilfsaktion" für eine kleine Firma damit endete, daß alle Mitarbeiter arbeitslos waren. Alex wirft ihn raus, ist aber dann sehr nachdenklich.


    Schließlich ist der große Abend der Vorstellung gekommen und das Theater ist bis zum letzten Sitzplatz gefüllt (was auch damit zu tun hat, daß Rick auf seinen Plakaten Gastauftritte diverser Hollywood-Prominenz versprochen hatte, z.B. vierter Stoffteddy hinten links = Robert de Niro). Die Vorstellung beginnt und die Folge blendet wieder zu Realfilm, während wir mit den Stimmen von Alex, Rick und Mike (und anderen) ein Theaterstück mit Hand- und Stockpuppen sehen. Die Hauptfiguren des Stückes sind drei haarige Wesen, die entfernt an Vögel erinnern, und die Namen Nele, Faz und Jaz tragen. In dem musikalischen Stück geht es um eine sterbende Welt auf dem entfernten Planeten Fazakios. Während die Welt (und die Bühnendeko) um die Figuren herum immer mehr verfällt, scheinen die meisten Puppen davon jedoch keine Notiz zu nehmen und singen fröhliche Lieder mit eher düsterem Subtext. In einer großen Nummer erklärt ein bunter Charakter nach dem anderen, was ihn "frei und unbeschwert" macht, wobei jede Handpuppe stets nach dem Song bemerkt, daß Marionettenfäden an ihr hängen. Eine große Figur mit Zylinderhut taucht dann als fröhlicher Marionettenspieler am Himmel auf, nur um nach seinem Song zu bemerken, daß auch an ihm weitere Fäden hängen.


    Nach diversen weiteren Szenen mit kleinen Mängeln (Ricks Figur Jaz tendiert zum Text vergessen) und einer choreographierten Tanznummer, in der schwarz gekleidete Puppenspieler vor schwarzem Hintergrund ein stampfendes "Ballet" synchroner Militärstiefel aufführen, kommt der Höhepunkt des Stückes in Form eines Stückes im Stück. Mit einer eigenen Vorführung möchten die Figuren um Nele, Faz und Jaz ihren Mitpuppen zeigen, was Freiheit bedeutet. Am Ende der Vorführung trennen sich alle Handpuppen von den Marionettenfäden und führen einen Freudentanz auf. Wobei sich Jaz aber beim Rumhampeln derart verausgabt, daß letztlich die Handpuppe von der Hand fliegt und auf den Boden fällt. Eine bewegungslose (reale) Hand bleibt stehen und wird von allen anderen Puppen angestarrt. Faz meint erschrocken, daß immer eine Hand da ist, auch wenn die Fäden zerschnitten sind, aber Nele ergänzt, daß die Hand vielleicht das ist, was man in ihrem Universum die Seele nennen würde. Die Puppen und die Hand verneigen sich und der Vorhang fällt.


    Die Szene wechselt zurück zur Animation, während die Zuschauer aufstehen und gehen. Wir sehen den Bürgermeister, der sehr nachdenklich wirkt, auch andere Zuschauer sind in Gespräche vertieft. Wieder andere fragen sich, welche der Figuren denn nun (wie auf Ricks Plakat angekündigt) von Brad Pitt und Angelina Jolie gesprochen wurden. Später sitzt Alex im leeren Theater, als Alf Rudmann wieder hinzukommt. Er meint lächelnd, daß seine Enttäuschung über Alex wohl nicht nötig war und zitiert Hamlet "The play´s the thing wherein I´ll catch the conscience of the king..." Alex fragt ihn hoffend, ob er nicht vielleicht doch von seinem Eigentumsrecht an den Figuren zurücktreten möchte, aber Alf meint ablehnend, daß dieser Gewinn niemals zur Debatte stand. Der Marktwert der Puppen ist durch die "Mithilfe" von Alex sogar noch gestiegen. Wir sehen im Hintergrund, wie mit dem Abriss des Theaters begonnen wird. Angestellte von Alf Rudmann in Uniformen werfen die übrigen Puppen achtlos in große Koffer.


    Alf Rudmann schlendert nach links aus dem Bild, während Alex sitzen bleibt. Plötzlich zeigt sich auf der leere Bühne nochmals Bewegung. In einer realen Sequenz sehen wir die Stabpuppe der alternden Ballerina, die wieder aufsteht und zu tanzen beginnt. Am Ende zeigt sie nach oben auf das bröckelnde Loch in der Decke, durch das ein Lichtstrahl auf die Bühne fällt. Sie berührt das Licht mit ihrer weißen Porzellanhand und fliegt dann mühelos nach oben weg. Alex springt auf und läuft nach links hinter die Bühne, aber dort ist kein Puppenspieler zu sehen - auch die Puppe ist verschwunden. Alex nickt.


    Der Abspann läuft, aber nach dem Abspann blenden wir nochmal zurück zu Rick und Mike, die wieder oben in der Loge sitzen und einen Lästerkommentar über die gerade gesehene Folge ablassen. Unterbrochen werden sie dabei von einer Abrißkugel.


    Kommentare sind willkommen.


    Chris

  • Hier die neue Folge aus Staffel 9:


    174. Oh Badger, Where Art Thou


    Die Folge beginnt mit Klaus, Rick und Mike vor den Toren der großen Comicmesse in der Großstadt rechts von Bruchbach. Rick erklärt Mike leise, daß er nicht sehr begeistert darüber ist, daß sie Klaus (der als einziger ein funktionierendes Auto hatte) mit auf die Messe nehmen müssen. Er zeigt demonstrativ ein paar Fotos von diversen anderen "modernen" Messen vor, auf die sie Klaus mitgenommen hatten - die Fotos zeigen in obskuren Szenen, wie alle drei vom Sicherheitsdienst vom jeweiligen Messegelände geworfen werden. Mike winkt ab und meint, daß nicht mal Klaus auf einer harmlosen Comicmesse etwas zu nörgeln finden wird. Rick ist nicht überzeugt und erklärt, daß das Hausverbot auf der Messe seit den Ereignissen von Folge 16 nun endlich abgelaufen ist, und er keine Zwischenfälle erleben möchte.


    In der Messehalle zeigt sich schnell, daß er recht behält. Klaus ist ständig nur am Nörgeln über zuwenige alte Comics und zuviel neumodischen Kram. Er ist erstaunt darüber, daß in Deutschland jetzt Comics aus Japan verkauft werden, bei denen die Seiten durch einen "Druckfehler" auch noch falschherum montiert sind. Rick startet einen halbherzigen Versuch, Klaus zu erklären, daß auch moderne Comics sehr gute Ideen und sogar "Bildungsauftrag" haben. Er zeigt Klaus eine Heftreihe im Manga-Format über das Leben von Johann Wolfgang von Goethe (wir sehen ein paar illustrierte Szenen mit Manga-Goethe). Es geht in den Heften u.A. um die Jugendjahre in Weimar, die Italienreise und um Goethes Abenteuer mit seinen beiden sexy Nichten Matoko und Yusumi im Kampf gegen den Phantomlord. Klaus ist nicht sehr angesprochen von den Stories


    Rick und Mike "parken" Klaus leicht genervt bei einem nostalgisch wirkenden Stand zu einer alten deutsche Comicreihe über die Abenteuer von Dietbert Dachs. Die kennt Klaus noch von früher und er verspricht, sich dort aufzuhalten. Es handelt sich dabei um bunte Hefte über einen schlauen Comic-Dachs in gelben Latzhosen, der zusammen mit seinem tolpatschigen Freund Dinkelhund im Auftrag von Waldkommisar Rübe viele, relativ harmlose Kriminalfälle in einer betulich-deutschen Waldlandschaft löst. Wobei sich der Stil der Comics in den letzten 30 Jahren aber deutlich geändert hat und Dietbert Dachs von einem ernsthaften Detektiv zu einer schlanken Spaßfigur wurde, deren Running Gag daraus besteht, anderen Figuren Sahnetorten in das Gesicht zu klatschen.


    Klaus wird am Stand schnell verwickelt in die gar hitzigen Streitereien zwischen zwei Fraktionen von Dachs-Fans: eine Fraktion lobt die klassischen Episoden der Reihe und bezeichnet die neuen Comics als hyperaktiven Kaschperl-Kram, die andere Fraktion lobt die neuen Comics als globale und zeitgerechte Satire und nennt die alten Ausgaben kleinbürgerlich und verstaubt. Überhaupt wäre die neue Figur näher an den Wurzeln des Charakters, der am Anfang auch nur anarchischer Spaßmacher war und erst in den konservativen Jahren zur "Spaßbremse" wurde. Eine Filmrolle von 1947 mit der Aufschrift "D. Dachs in Drei Dampfschiff-Dödel" wird hochgehalten. Die beiden Fraktionen bewerfen sich dann verbal gegenseitig mit Storytiteln, um festzuhalten, welche alte Story jede neue Story schlägt und umgekehrt. Ein kurzer Blick in ein neues Heft entsetzt Klaus.


    Schnell fällt er wieder Rick und Mike auf die Nerven. Wir sehen seine Worte illustriert mit ein paar bunten Comicszenen in animierten Panelen aus dem Dachs-Universum. Im alten Heft ist Dietbert auf der Suche nach Geldfälschern im Wald, verfolgt relativ behäbig einige Spuren, sagt einem frechen Eichhörnchen mit langen Haaren, daß es immer hilfreich sein muß, wenn ein Onkel Polizist es braucht und löst am Ende mit einer Moral seinen Fall. Ein animierter Blick in den allerneuesten Comic zeigt eine hochglanzpolierte Waldwelt, in der Dietbert durch ein Dimensionstor in die Welt der Osterhasen gerät und dort dem dunklen Oberhasen eine Sahnetorte ins Gesicht klatschen möchte. Die Story ist beladen mit Piraten, Transformern, Matrix-Szenen und powervollen Tortensammelkarten, die Dietbert braucht, um seine Feinde in einem Battle Pie Match zu besiegen.


    Rick schnappt Klaus die beiden Hefte weg und meint, daß man die Sache auch aus einem anderen Blickwinkel sehen sollte. Die animierten Panele aus Ricks Sicht zeigen Szenen aus dem alten Heft, in denen Dietbert seiner kleinen Freundin hinter dem Herd sagt, daß sie sein Essen kochen sollte, solange er den Fall löst. Als Dietbert die Geldfälscher im Wald schnappt, stellen sich diese als lispelnde und gelbe Chinesen-Stereotype heraus, die von Kommisar Rübe ganz schnell aus "seinem" Wald gejagt werden. Am Ende sitzen die Charaktere biertrinkend am Stammtisch, prosten synchron einem Bild von Bundeskanzler Ludwig Erhardt zu, und wünschen sich weiterhin Beständigkeit und Gemütlichkeit. Im neuen Comic flitzen die Szenen schnell vorbei. Wir sehen, daß aus Dietberts Freundin nun eine gleichberechtigte Figur geworden ist, die geistreiche Dialoge hat. Der Oberhasenschurke stellt sich als Kopf einer ominösen Zensurbehörde heraus, die die Freiheit im Internet einschränken möchte. Das Schlußbild ist eine detaillierte Satire gegen Kommerzialisierung von Ostern und Feiertagen.


    Zufrieden stellt Rick fest, daß es doch gerade das neue Heft ist, daß seine jungen Leser zum kritischen Nachdenken über Kommerz anregt. Wobei sein Argument dadurch etwas verliert, daß beim Blättern durch das Heft ein riesiger Haufen gestylter und zielgruppenorientierter Werbung herausrieselt, inklusive der Prospekte für die Dachs-Sammelkarten (Mike sagt freudig "Hey, eine seltene Level-12-Schwarzwälder-Kirsch mit mystischer Fallenoption..." und beginnt in seinem Geldbeutel zu wühlen. Er zieht gleich ein paar Scheine heraus.) Das Gimmick im Heft ist ein Furzkissen für üble Dachs-Furze. Klaus ist absolut nicht überzeugt. Mike fragt ihn achselzuckend, ob er das neue Heft denn richtig gelesen hätte, worauf Klaus erklärt, daß er auf Seite 2 aufgehört hatte zu lesen, weil Dinkelhund dort ein sogenanntes "Handy" benutzt hatte. Rick und Mike gehen achselzuckend.


    Klaus zieht sich schmollend in einen Ruhebereich der Messe zurück und schläft dort auf einem Sofa kurz ein. In einem seltsamen Traum begegnet er dem Geist des klassischen Dietbert Dachs, der ihm in einer Hamlet-artigen Szene erklärt, daß er vom neuen Dietbert Dachs umgebracht worden ist, und gerächt werden muß. Die Szene wechselt zu einer surrealen Gerichtsverhandlung im Panelstil. Im Publikum sehen wir leicht veränderte Karikaturen, in denen sich diverse urdeutsche Comicfiguren wie z.B. Fix und Foxi, Mecki, Lurchi, Nick Knatterton, Jimmy das Gummipferd und andere erkennen lassen. Einige davon werden dezent parodiert - so behaupten die beiden Fix und Foxi-Figuren, daß sie noch immer "cool" wären und es der Welt beweisen werden. Schon wieder. Die Umsitzenden lächeln eher mitleidig. Die Verhandlung endet im Chaos, als Goethe und seine Nichten den Gerichtssaal stürmen und gegen die cybertronischen Horden des Phantomlords verbarrikadieren. Klaus wacht auf.


    Er hat nun einen Plan: man muß die Presse mit einer Aktion auf das Schicksal von Dietbert Dachs aufmerksam machen (und auf das Schicksal vieler alter Comicfiguren und ihrer Geschichten). Am Stand des Verlages ist ein Auftritt des Erfinders von Dietbert Dachs geplant, bei dem Klaus auf die Probleme aufmerksam machen will. Ein Streitgespräch zwischen Klaus und dem Erfinder läuft schnell aus dem Ruder, weil Klaus auf Stunk aus ist, und auch der alte Mann letztlich zugibt, daß eine Comicfigur immer den Charakter hat, der die Verkaufszahlen am besten beflügelt. Letztlich endet die Aktion damit, daß Klaus dem Erfinder eine dicke Sahnetorte in sein Gesicht klatscht. Dummerweise ist der alte Mann auf Sahne allergisch und landet im Krankenwagen. Beide Fraktionen von Fans schütteln über Klaus den Kopf und erklären, daß es doch nur um einen Comic geht und man alles übertreiben kann. Klaus ist verdutzt und wird vom Sicherheitsdienst in einen abgesperrten Bereich für kleine "Troublemaker" gebracht.


    Dort schmollt er in einer Gruppe schräger Kinder weiter vor sich hin und erklärt den Anwesenden, daß er doch nur wollte, daß sie auch die gleichen Chancen auf ernsthafte Charaktere und Comics haben, wie er in seiner Jugend. Die Kinder hören ihm nicht zu, sondern blicken allesamt traurig drein, im Hintergrund ist ein leises Schluchzen zu hören. Als den Kindern jedoch ein Stoß Comics hingeworfen wird, stürzen sich diese darauf. Der ganze Stoß besteht aus aktuellen Dietbert-Dachs-Comics und schnell hört man Gelächter und Freude bei den Anwesenden. Klaus schüttelt irritiert den Kopf und erklärt laut, daß das keine guten Comics wären. Er beginnt schließlich ebenfalls in den Stories zu blättern und nach und nach wandern seine Mundwinkel mehr und mehr nach oben, bis er schließlich (über sich selbst erstaunt) auch zu lachen beginnt. Er blickt sich nachdenklich in der fröhlichen Gruppe um.


    Als Mike Klaus auslöst ("Ich nehme den Großen dahinten mit...") steht ein einzelner Reporter vor der Tür und möchte von Klaus wissen, was die Botschaft hinter seiner Aktion war, aber Klaus meint, daß vielleicht auch das Lachen eine wichtige Botschaft ist. Mike sagt, daß sie Rick am Besten nichts von dem Trouble erzählen, denn er hatte ja Wert darauf gelegt, einen normalen Tag zu verbringen. Rick rennt an ihnen vorbei. Er trägt eine rosa Perücke und ein ebensolches Ballkleid, sowie einen großen Karton voll mit Schuhen und Socken. Ein ganzer Trupp wütender Sicherheitsleute ist barfuß hinter ihm her. Klaus und Mike rennen ebenfalls mit. Die Kamera schwenkt zur Seite zu einem Stand, an dem junge Nachwuchszeichner und Talente ihre Werke ausstellen. Dort sehen wir ein Poster, daß sowohl den klassischen Dietbert, als auch den neuen Dietbert Dachs zeigt. Beide Figuren sitzen friedlich zusammen an einem Tisch, trinken Tee und essen Sahnetorte.


    => Spaßfolge, Mediensatire


    Chris