Charakterliche Veränderungen

  • Ich weiß, ich hatte schon einige "neue Simpsons mag ich nicht" Threads, und solch einer soll das hier nicht werden, deshalb bitte ich ihn nicht zu verschieben oder zu "mergen" mit einem anderen Thread darüber. Dieser soll nur über die Veränderungen der Simpsonsfiguren gehen.


    Also, ich fange mal an.


    Homer früher: Dummer Volltrottel, aber liebevoll zu seinen Kindern, will eigentlich nur ihr bestes, weiß aber nicht wie, Alkoholiker, aber dabei nie wirklich "böse" oder, außer dem klassischen Würgen, Gewalttätigkeit.
    Homer heute: Dummer, gewalttätiger volltrottel, der seinen Kindern nichts gutes mehr will, nur auf Spaß aus, ohne jede Art von (väterlicher) Liebe.


    Marge früher: Nie wirklich im Vordergrund, aber auch nicht unwichtig, nicht besonders auffällig, aber trotzdem unverzichtbar für die Geschichten, bemüht sich eine gute Mutter zu sein, und eine gute Frau für Homer.
    Marge heute: Ständig am meckern und verbessern, tritt gern in den Vordergrund, obwohl sie genauso wenig zusagen hat wie damals.


    Bart früher: Junger "Rabauke", aber nicht sonderlich böse, dumm, aber nicht strunzdumm, sondern nur etwas unterdurchschnittlich, kann aber sehr nett zu Leuten sein die er mag.
    Bart heute: Präpubertärer, immer böser werdender, Vollidiot, der nur darauf aus ist, etwas wirklich böses zu tun. Ständig unterdurchschnittliche Beleidigungen wie "Käsepimmel", bei denen ich mich fremdschämen muss...



    Lisa früher: Superintelligentes Genie, tiefgründig und logisch denkend, freundlich, nie Teil des "Mainstreams".
    Lisa heute: Sie "tut einen auf Genie", ist es aber nicht mehr, wird immer mehr zum Mainstream, tut völlig unlogische Sachen die selbst für den damaligen Bart zu blöd wären und zu gemein.



    So, wer hat sich noch verändert? Und die wichtigere Frage, wieso tun sie das? Wieso lassen sie die ehemals perfekten Charaktere so verkommen?

  • Wenn ich mich anstrenge finde ich bestinmmt 28 Threads mit den gleichen Thema.


    Langsam aber sicher werde ich auch dieses "Neue Folgen bashen" müde, fast jeder hat hier schon mal gesagt, was ihn an diesen nervt und jede Woche gibt es einen neuen Thread, in dem das Diskutiert wird. Will mich hier auch nicht weiter äußern, außer den Jerkass Homer finde ich die anderen Charaktere gar nicht so schlimm dargestellt, zumindest ist dies meine Ansicht.

  • Ich muss dir da in einem Punkt wiedersprechen: Bart war noch nie wirklich dumm. Das zeigt sich vor allem in den ersten Staffeln. Er war nur lernfaul und unmotiviert aber man hat, in den alten Folgen zum Mindest, gemerkt, dass er eigentlich ein kluges Köpfchen ist.

  • Ich muss dir da in einem Punkt wiedersprechen: Bart war noch nie wirklich dumm. Das zeigt sich vor allem in den ersten Staffeln. Er war nur lernfaul und unmotiviert aber man hat, in den alten Folgen zum Mindest, gemerkt, dass er eigentlich ein kluges Köpfchen ist.

    Wie man es sieht, im Endeffekt schwankt Barts Intelligenz eh: In der vierten Staffel war er dümmer als ein Hamster, unter Mike Scully war er klug genug, von Homers Idiotie genervt zu sein (Die Folge mit den beiden wo sie Betrüger werden ist hier ein gutes Beispiel sowie einige Folgen die Scully schrieb (Lisas Rivalin, wo er dass mit den Zucker kritisiert und oft über Homer mit den Augen rollt)) und in den neuen Staffeln schwankt es halt: Manchmal ist er richtig dumm, manchmal klug genug den schlausten Köpfen eins auszuwischen.

  • Das Thema wurde schon teilweise in "Welche Charaktere mögt ihr nicht und warum?" behandelt, sicher auch in älteren Threads, die mir nicht einfallen wollen oder bekannt sind. Ich habe zwar schon oft etwas über die Charakterentwicklung geschrieben aber einen kleinen Beitrag kann ich mir nicht verkneifen.


    Ich mag die "neue" Simpsonfamilie auch nicht, bei Marge kann ich dir jedoch nicht hundertprozentig zustimmen. Ich mag sie zwar auch nicht mehr so wie vorher, aber das hat nicht unbedingt die gleichen Gründe. Mich stört va. (was man aber leider nicht ändern kann) Engelkes Stimme, weil sie nicht wie die von einer erwachsenen Frau sondern wie von einer (verantwortungslosen) Jugendlichen klingt. Das macht sie, wie jemand anders schon bemerkte, "dumpf dümmlich" und ihre dummen Bemerkungen tragen dazu bei.


    Wer sich imo noch verändert hat ist Mr. Burns. Er ist nicht mehr der vergreiste, altmodische aber in seiner Rolle unverzichtbare und einzigartige Charakter. Er wird nicht mehr so gut (oft in Anlehnung an Citizen Cane) dargestellt wie früher, sondern sein Reichtum wird für Gags benutzt, die wie für Dreijährige gemacht erscheinen. Er ist kein Charakter den man in Wirklichkeit sympathisch finden würde, aber in seiner Rolle ist er genial und wächst einem ans Herz. Das ist jedoch jetzt anders: Ich würde in weder als normalen Menschen mögen, noch mag ich ihn als Zeichentrickfigur.

  • Ich muss da doch kurz wiedersprechen: Homer, liebt seine Kinder nach wie vor (in der letzten, neuesten Episode wieder gut zu sehen. Er hat Bart gerettet, anstatt sich ein Lottolos zu kaufen).

    "I think the internet message boards were a lot funnier 10 years ago. I have stoped reading the new posts." - Matt Warburton ;)


    Quote

    "Tv? That crap is still on?" - "Oh yes, it's crappier than ever"

  • Mr. Burns war mal jemand, vor dem man sich wirklich fürchten konnte. Jetzt ist er nur noch ein prassender, freundlicher Greis.

  • Ich denke, das Problem läßt sich in kurzer Form recht eindeutig formulieren: früher waren die Charaktere vielschichtig angelegt, hatten Motivationen und die Autoren achteten auch im Gesamtbild von Staffeln auf Charakterintegrität. Heute ist ein kurzer Moment von Motivation oder Emotion ein seichter Nebeneffekt, was zählt ist die Funktion als Karikaturen und gelbe Gagträger.


    Charaktere sind seit vielen, vielen Jahren in der Regel auf einen einzigen (humoristisch einfacher verwendbaren) Aspekt reduziert, der früher nur eine Facette ihres Charakters ausgemacht hat - z.B. Marge als Nörgeltante, Lisa als Moralapostel, Monty Burns als senile Witzfigur, Ned Flanders als religiöser Fundamentalist etc. Das ist in der Tat eines der grundlegenden Probleme der Serie und hat der Serie enorm viel von ihrer Brillanz und Andersartigkeit genommen bzw. hat sie in einen zu geradlinigen Spaßcartoon verwandelt, der mit der Klasse früher Jahre nichts mehr zu tun hat. Irgendwelche Einzelfälle ("In S1x-Folge xyz zeigt aber Bart mal in zwei Szenen beinahe ein Verhalten wie ganz früher...") können das nicht beheben.


    Es hat auch viel mit Zeitmangel zu tun, denn Tiefgang war immer auch ein Aspekt, der mit stillen Momenten, Gestik und Mimik und Nebensätzen zu tun hat (ich erwähne immer gerne Lisas leises "I reached him" in der Daredevil-Folge bzw. auch viele ihrer Szenen und Dialoge in der Minigolf-Folge). Wenn man soviele Gags pro Minute wie möglich und lange (US-)Werbeblöcke und Massenappeal an allen Stellen unterbringen will, wo ist da noch viel Raum für tiefgängige Charaktere?


    Wohlgemerkt: Charakterintegrität bedeutet nicht, daß sich ein Charakter in jeder Folge nur gleich und im selben Rahmen benimmt. Das wäre ja langweilig und keiner der Charaktere könnte je mit seiner Rolle oder Stereotypisierung brechen, wie es früher in klassischen Jahren ständig getan wurde. Charakterintegrität bedeutet aber, daß ein Charakter eine glaubwürdige Motivation für seine Aktionen oder für das Zeigen neuer Facetten seines "Ichs" haben muß - und daß sollte mehr sein, als nur die Notwendigkeit durch Story oder Gag.


    Chris

  • Wow, Chris, du hast das Ganze wirklich präziese auf den Punkt gebracht, besser hätte man es wohl nicht ausdrücken können. :)

    Danke :) . Besser ausdrücken hätte man es aber wohl schon können, es war nur auf die Schnelle holprig formuliert.


    Hier habe ich noch einen älteren Text von mir zum Thema "Marge früher und heute", der das Problem am Einzelbeispiel vielleicht noch ganz gut beschreibt. Geschrieben hatte ich den wohl zu S16-Zeiten, aber es hat sich nicht viel geändert:


    Gerade im Bezug auf Marge haben wir in aktuellen Jean-Staffeln noch immer merkliche Probleme bei der Charakterisierung und die aktuelle Marge ist von ihrem ursprünglichen (komplexeren) Bild aus den ersten Jahren doch auffallend weit weg - und das sicherlich nicht zu ihren Gunsten.


    Wenn man sich Folgen gerade aus Staffel 2 ansieht, dann war Marge dort eine engagierte und emotional-intelligente Person, die sich eben auf ihre eigene Weise darum bemüht hat, daß Dinge richtig laufen. Sie hatte ihre Motivation für etwas und ihre nachvollziehbare Eigeninitiative und gegebenenfalls Einsicht. Man nehme etwa Episoden wie "Two Cars" oder "Brush With Greatness" oder "Itchy & Scratchy & Marge" - wobei man eigentlich so ziemlich die ganze Staffel 2 als Musterbeispiel nehmen kann.


    Ein häufiger Kritikpunkt an Marge ist, daß sie als Charakter langweilig ist - was aber IMO zumindest im Hinblick auf ihr engagiertes "Ich" aus frühen Jahren kaum zutrifft. Es gab einmal eine Zeit, in der Marge-Folgen nicht die Problemfolgen für die Spaßzuschauer waren, sondern immer auch wichtige und ambitionierte Episoden, an denen (aber vielleicht bin ich wieder zu idealistisch) auch die Autoren Freude hatten. In diesen Jahren war es auch so, daß Marge für Lisa durchaus wirkliche Vorbildfunktion in Sachen Gerechtigkeit hatte - siehe "Two Cars".


    Heutzutage sieht Marges Rolle meist so aus, daß sie irgendwelche arg weltfremden Sprüchchen und Popkultur-Scherze abläßt, irgendwie immer zu naiv für diese Welt ist und seltsame Wortkonstrukte verwendet, um "lustig" zu sein. Ihre Motivationen und Emotionen sind oft unklar und richten sich nach dem gerade anzustrebenden Gag und/oder geradliniger Folgenabsicht. Echte Komplexität im Charakter findet man (wenn überhaupt) nur noch in Einzelfolgen oder in einer Handvoll interessanter Szenen. Das Ganze noch garniert mit sitcomigen Dauerkabbeleien mit Homer und fertig ist das aktuelle Problem.


    Chris

  • auch bei dem Thema muss ich widersprechen, weil das wieder mal eine Schwarz-Weiß-Malerei sondergleichen ist.
    Der einzige, bei dem ich mitgehe, dass da eine Veränderung deutlich zum Negativen kam, ist Homer.


    im einzelnen beziehe ich mich auf den Eröffner:
    Homer
    Das Homer nur das Beste für seine Kinder will und liebevoll ist, widerlegst du gleich mit der 2.Zeile: Wer sein Kind liebt, der würgt es nicht. Und ein Egoist war Homer schon immer, nur wurde er früher öfter auf einen "tugendhafteren Weg" geführt.


    Marge: Hier finde ich sie in späteren Staffeln sogar besser als zu Beginn (v.a. in der ersten ist sie quasi nicht existent, aber der zweiten wird es dann besser, trotz einiger Rückfälle). Da empfand ich sie mehr als Beiwerk, denn als starke, eigenständige Person. Sie brachte sich zwar ein, aber ihre Wirkung war insgesamt marginal. Das zeigt sich für mich deutlich in der Folge "Der schöne Jaques", in der mir Jaques deutlich präsenter wird als Marge. Selbst Homers Trübsal gegen Ende der Folge überdeckt Marge, die man in solch einer Folge eher tiefer dargestellt sehen möchte. Später ist Marges Auftreten auch nicht immer konsistent, aber sie wagt sich des Öfteren mal "aus der Deckung" und tritt öfter als mal starker, denn beschützender (Wider)part Homers auf.
    Eine Folge wie "Itchy&Sratchy&Marge" könnte aus meiner Sicht durchaus auch in einer späteren Staffel spielen. "Two cars" empfand ich schon immer als eher Durchschnitt, in der Folge ist Marge viel zu wechselhaft-ist pro Bailey oder contra Burns/AKW, da fehlt die Stringenz ihres Handelns. "Marges Meisterwerk" ist dagegen, bis heute eine der besten Marge-Folgen.


    Bart: gegen die These des neuen Barts stelle ich einfach mal "milhouse wohnt hier nicht mehr" und gegen den alten guten Bart "Bart vs. Thanksgiving"
    Jetzt kann man sagen, dass das Einzelbeispiele sind, aber die sind es, die aus schwarz/weiß grau machen.
    Die Figuren waren - auch wenn das manch einer gern und oft behauptet - früher keineswegs perfekt, sondern befanden (und befinden) sich im Fluss. Zudem wurde schon richtigerweise auch auf die unterschiedlichen Autoren verwiesen, die m.E. das Recht und auch die Pflicht haben, sich in die Serie einzubringen.

    I thought I was too old. I thought my time had passed. I thought I'd never hear the screams of pain, or see the look of terror in a man's eyes. Thank heaven for children!(Grampa,04.02.90)

  • Mr. Burns war mal jemand, vor dem man sich wirklich fürchten konnte. Jetzt ist er nur noch ein prassender, freundlicher Greis.


    Mr. Burns und freundlich? ?(

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  • Hi, ich bin neu hier und geb jetzt auch mal meinen Senf dazu, da ich von den neuen Simpsonsfolgen einfach nur noch entäuscht bin,
    ab Staffel 17 gings mit den Simpsons immer mehr Berg ab, die Witze sind einfach nur noch mies und zum Teil sehr kindisch obwohl, ich lach sogar bei spongebob schwammkopf mehr... ich weiß nicht wie ichs erklären soll aber die Witze sind halt einfach abgehackt und einfallslos geworden :( zum Teil werden auch alte wieder verwendet z.B hat Homer mal einen 1000 Dolarschein vebrannt und gesagt "na und so viel verdien ich in einem Monat"


    in ner neuen Folge muss er 25.00 doler zahlen und sagt: Die verdien ich in einem Jahr... ich könnt noch endlos viele Beispiele aufzählen, ich will jetzt nicht sagen das die neuen Folgen vollkommen schlecht sind, bei den alten bin ich eigentl. nur am lachen, bei den neuen schmunzel ich meist nur einmal pro Folge^^, seit ihr auch der Meinung das die WItze einfach nur noch einfallslos sind?...


    mir ist auch aufgefallen das sich die Charaktere sehr verändert haben am meisten Bart...

  • " Das Homer nur das Beste für seine Kinder will und liebevoll ist, widerlegst du gleich mit der 2.Zeile: Wer sein Kind liebt, der würgt es nicht. Und ein Egoist war Homer schon immer, nur wurde er früher öfter auf einen "tugendhafteren Weg" geführt."
    Nur kurz dazu, anscheinend weißt du nicht sehr viel über Väter, es gibt viele die nur das beste für ihre Kinder wollen, aber, eingeschränkt durch ihr minderes Maß an Intelligenz und dadurch schnell überfordert zu sein, gewalttätig werden.

  • auch bei dem Thema muss ich widersprechen, weil das wieder mal eine Schwarz-Weiß-Malerei sondergleichen ist.


    Da hast du nicht unrecht, aber bei mir persönlich ist es so, daß mir die Abflachung der Charaktere von früher zu heute so negativ erscheint, daß eigentlich nur Schwarz-Weiß-Malerei möglich ist. Wobei diese Malerei natürlich der Ausgangspunkt für Differenzierungen sein kann und sollte. Um es aber mal so Schwarz-Weiß wie nur möglich auszudrücken: früher waren es "Lebewesen" mit (für Zeichentrick) ungewohnten Empathie-Eigenschaften, heute sind es gelbe Männlein in Gagreihen. Daß es ab und zu positive Ausnahmen in Einzelfolgen gibt, ändert nichts am Problem an sich bzw. an der Art und Weise, wie die Autoren die Charaktere heute sehen und behandeln.


    Ich persönlich würde sagen, daß sich kein Charakter von früher zu heute positiv verändert hat, jede Veränderung bzw. die Reduzierung auf "wesentliche Eigenschaften" hat den Charakteren wichtige Facetten genommen. Man könnte argumentieren, wann diese Entwicklung in ihren wirklich negativen Formen einsetzte, ich würde sagen ab Staffel 8.


    Chris

  • Ich muss dir da in einem Punkt wiedersprechen: Bart war noch nie wirklich dumm. Das zeigt sich vor allem in den ersten Staffeln. Er war nur lernfaul und unmotiviert aber man hat, in den alten Folgen zum Mindest, gemerkt, dass er eigentlich ein kluges Köpfchen ist.

    ja das stimmt ^^ wie in der episode, wo er sogar siene lehrerin küsst, weil er bestäht

  • @ Homies: Was hat damit zu tun, dass er schlau ist?

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